Chronik der IGBE Ortsgruppe Kamen

 

Die Stadt Nürnberg verkaufte 1963 die Monopol GmbH im Gesamtaktivawert von 40 Mio DM. Zu 60% ging sie an die Städtische Werke Nürnberg GmbH und zu 40% an das Großkraftwerk Franken. Auf Nachfragen des Betriebsrates und des Ortsgruppenvorstandes, werden die alten Lieferverträge von dem neuen Besitzern übernommen.
Für Aufregung sorgte im Sommer 1963 ein Skandal um die Kollegen Kaufmann (Kamen) und den Kollegen Stahlberg (Bergkamen) Sie führten die Gelder, die sie als Gäste bei Aufsichtsratssitzungen bekamen, nicht ab.
Große Teile der Belegschaft waren darüber empört, so dass sie bei der BR-Wahl nicht wiedergewählt wurden. Der Skandal bekam seinen Höhepunkt, als sie vom Arbeitsdirektor Stenzel in Funktionen eingesetzt wurden.
Im Jahre 1964 wurde das Weihnachtsgeld und die Jubiläumszuwendungen für 25 jährige,-(auf 625 DM), für 40 jähriges,-(auf 1000 DM) und für 50 jährige Treue auf 1250DM angehoben. H. Dyduch wurde zum Verbandstag nach Wiesbaden entsannt. Er nahm 9 Anträge mit, von denen 8 Anträge durch die Delegierten angenommen wurden.
Ca. 100 Kollegen unserer Ortsgruppe beteiligten sich an der internationalen Bergarbeiterkonferenz aller Montanunionsländer in Dortmund. Der Kollege Gutermuth erläuterte in einem Hauptreferat die Aufgaben der Gewerkschaften und forderte in diesem Zusammenhang volle Mietfreiheit für Bergarbeiter. Als er wenige Tage später einer Mieterhöhung für Bergarbeiterwohnungen zustimmte, richtete unsere Ortsgruppe schärfste Proteste an seine Adresse und die Öffentlichkeit. Während der Monopol-Jubilarfeier, auf der 120 Jubilare geehrt wurden, erklärte Bergwerksdirektor Brückmann: "Es gäbe bei der Monopol Gesellschaft keine Absatznöte.
Die Tagesförderung liegt bei 7000t bei schwindenden Belegschaftszahlen. Diese versucht man durch Gastarbeiter auszugleichen".

Ende Januar 1964 wurde unser Ortsgruppenvorstandsmitglied Hans Achtabowski in den Aufsichtsrat der Zeche Grillo der Bergwerksgesellschaft Monopol gewählt.
Im April 1964 wurden 115 Lehrlinge auf Monopol angelegt, der Kleinste maß nur 1,40m. Am 23.04.64 kam es zum ersten wilden Streik der türkischen Kollegen auf Monopol. Grund dafür war eine angebliche Unterbezahlung. Die Rädelsführer drohten, für den Fall das ihre Kollegen wieder einfahren würden, mit Prügel. Durch die Aussage von Betriebsdirektor Dr. Schucht, dass alle Arbeiter auf Monopol über Tarif bezahlt würden, der gleichzeitigen Androhung einer Kündigung, wurde der wilde Streik beendet.
Der Hauerdurchschnittslohn betrug in dieser Zeit 29,43 DM pro Schicht. Am 27.06.64 wurden in der Ortsgruppe Ergänzungswahlen durchgeführt. Gewählt wurden.

1. Vorsitzender : Hans Achtabowski
2. Vorsitzender : Ernst Krause
1. Kassierer : Alfred Henkel
2. Kassierer : Heinz Melis
2. Schriftführer: Ferdinand Faber
2.Bildungsob. : Heinz Standfuß
Als Jugendleiter wurde Siegfried Greinke gewählt.
Am 09.07.64 kündigt die IGBE den Tarifvertrag und Fordert 9% mehr Lohn für seine 410.000 Beschäftigten.
Nach einer Aufsichtsratsitzung erklärte der Arbeitsdirektor Alexander, dass auf Monopol weitere 25 Mio DM investiert werden und dass damit die Förderung für die nächsten 50-60 Jahre gesichert ist. Auch der Absatz sei durch langfristige Verträge gesichert. Durch die günstige wirtschaftliche Lage, konnte das Weihnachtsgeld der Belegschaft von 950DM auf 1.125 DM erhöht werden.

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Zur Urabstimmung im Arbeitskampf kam es am 10.12.1964. Danach wurden von unserer Ortsgruppe in Zusammenarbeit mit dem Schachtgewerkschaft-Ausschuß Vorbereitungen zum Arbeitskampf getroffen.
Im Januar 1965 setzt sich die Ortsgruppe mit der Sammlung von Unterschriften für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu Israel ein.
Im Februar 1965 konnte BR für 431 Kollegen des Tagesbetriebes 150 DM und 50 DM für die Kollegen der Grube auf dem Klageweg erstreiten. H.Dydurch gab bekannt, dass Monopol mit Leistung und Lohn an der Spitze des Ruhrgebietes steht.
Auf der Jahreshauptversammlung stellte H. Achtabowski fest, dass unsere Ortsgruppe die größte im Bundesgebiet ist (2.500 Mitglieder davon 500 Rentner).
Während dieser Jahreshauptversammlung kam es zur Kritik an dem Kassenbericht von Alfred Henkel, da dieser die Ein- und Ausgaben nur in ihrer Gesamtheit nennen konnte. Die Gruppe um Valentin Schürhoff verlangte hingegen einen spezifizierten Kassenbericht. Trotz dieser Forderung wurde der Hauptkassierer entlastet.
Aus dieser Versammlung kam die Forderung nach einem Jugendheim für die Jugendgruppe. Im März 1965 warb Monopol aus Gründen des Nachwuchsmangel in Patenbezirken (Diepholz, Walsrode, Verden a.d. Aller) um Nachwuchs.
Vom 20.-23.08.1965 veranstaltete unsere Ortsgruppe ein Sommerfest. Am 14.11.65 verabschiedeten Monopol Kumpel eine Resolution an die Bundesregierung und den DGB, mit der Aufforderung etwas gegen die vermehrten Zechenstillegungen und die verfehlte Energiepolitik zu unternehmen.
In dieser Resolution erklärten sie sich solidarisch mit den Kollegen, der von Stilllegung bedrohten Schachtanlagen. Es waren auch die Kollegen der Schachtanlage Bismarck in Gelsenkirchen davon betroffen, von denen später ein großer Teil einen Arbeitsplatz auf Monopol fand.
Der Protest erweiterte sich auf die drohenden 20 bis 30 Feierschichten. Bei diesen Feierschichten handelte es sich nicht wie in späteren Jahren um bezahlte Feierschichten.
Um dieses mit Zahlen zu verdeutlichen: Im Zeitraum vom 30.04.57-30.09.66 wurden 58 Schachtanlagen mit 33.387.596t Jahresförderung und 127.074 Arbeitsplätze stillgelegt. Hinzu kommen für den gleichen Zeitraum noch 149 Kleinzechen mit

1.081.006t Jahresförderung .
Unsere Ortsgruppe bereitete sich erneut im Frühjahr 1966 auf einen Arbeitskampf vor. Das zentrale Streikbüro war die Gaststätte Recker. Als Zahlstellen sollten die Lokale Büllersbach (Nagel) betreut durch Kollege H. Stahlhut, Lokal Tillmann betreut durch Kollege Quellenberg, Lokal Rieder betreut durch Kollege Becker und das Lokal Hempel (Filler) betreut durch Kollege Falkenreck, dienen. Am 05.03.1966 fand im Odeontheater die Generalprobe des Filmes über das kulturelle Leben unsere Ortsgruppe, unter der Regie von Erwin Hanel statt. Die Uraufführung fand auf der nächsten Mitgliederversammlungen statt.
Für den 11.03.1966 plante der IGBE-Vostand eine Arbeitsniederlegug von 11.00 Uhr - 11.30 Uhr. Der Grund für diese Aktion war die andauernde wirtschaftliche Ungewissheit im deutschen Steinkohlebergbau.
Am 12.03.1966 wurde im Odeontheater die Jahreshauptversammlung unserer Ortsgruppe durchgeführt, an der 352 Kollegen teilnahmen. Während dieser Versammlung fanden Wahlen statt, bei denen der spätere langjährige Vorsitzende Heinz Weinberger und sein langjähriger Stellvertreter Erwin Hanel Junior zum ersten Mal in den Vorstand gewählt wurden.
Außerdem wurde ein Beschluss über Spende von 1000 DM für den Bau der Doppelturnhalle am Koppelteich beschlossen. Während dieser Versammlung wurde der erste spezifizierte Kassenbericht gegeben.

 

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Der Jugendleiter Bruno Gawlik wurde zu einer Jugendleiterschulung entsandt, wobei er die Qualifikation für seine spätere Tätigkeit als Heimleiter in Grömitz/Ostsee erhielt.
Am 22.06.1966 trafen sich die Mitglieder der örtlichen Streik- und Einsatzleitung um 19.00 Uhr im Saal Recker.
Während dieser Zusammenkunft wurde unser Ortsgruppenvorsitzenden Hans Achtabowski telefonisch vom Bezirksleiter Heinz Assmann informiert, dass der für den 23.06.1966 angesetzte Streik ausgesetzt sei.
Am 03.07.1966 fand wiederum im Odeontheater eine Mitgliederversammlung statt, in der das hauptamtliche Vorstandsmitglied der IGBE (spätere Vorsitzender) Adolf Schmidt, den Tarifabschluss erläuterte. Um drohende Entlassungen abzuwehren besteht zum ersten Mal die Möglichkeit, Bergleute mit dem erreichen des 55. Lebensjahres in den vorgezogenen Ruhestand zu entlassen.
Während dieser Mitgliederversammlung wurde eine Resolution verabschiedet, in der ein Bau eines Kohlekraftwerkes gefordert wird. Damit sollten Arbeitsplätze im heimischen Bergbau gesichert und neu geschaffen werden.
Am Donnerstag, den 28.07.1966 wurde im Beisein von Bürgermeister und Stadtdirektor die neue Halbbatterien der Kokerei auf Grimberg in Betrieb genommen, wobei der erste Abstich mit einem Korb Rosen bedacht wurde. Langjährige Lieferverträge machten diesen Neubau möglich. Am 22.09.66 führte unsere Ortsgruppe ein Retnerausflug durch, an dem 260 Rentner teilnahmen (jedes 2. Rentnermitglied nahm an diesen Ausflug teil). Diese Ausflüge sind eine Tradition, die bis zum heutigen Tag fortgesetzt wird.
In der Vorstandssitzung am 21.10.1966 berichtete unser Jugendleiter Bruno Gawlik, dass das Jugendheim an der Jahnstraße eingerichtet ist.
Den Bauwilligen auf der Lünener Höhe, wurde vom Bergwerksdirektor Kaiser und dem Leiter der Rechtsabteilung Böker bekannt gemacht, dass von einer Schenkung der Baugrundstücke für einen Symbolpreis von 1 DM trotz anderer Gerüchte nicht die Rede sein könnte.
Im Dezember 1966 erklärten sich 255 Kollegen, für den Kauf ihrer Mietshäuser, von der Schachtanlage Monopol bereit. Es waren die Schlachthofstr. und die Hindenburgsiedlung. ( genannt Negerdorf). Die Monopol GmbH will sich von allen Gebäuden, die sich in ihrem Eigentum befindet, trennen und in Privateigeneigentum umwandeln. Es besteht die Möglichkeit, die abgeschätzten Häuser und Grundstücke von der Monopol GmbH vorfinanzieren zu lassen.
Am 11.01.1967 gibt der Jugendleiter Bruno Gawlik bekannt, dass unsere Jugendgruppe, wegen des Verkaufes des Gebäudes an der Jahnstraße ihren Raum nicht mehr nutzen kann. Er bittet die Stadtverwaltung zur Bereitstellung eines neuen Raumes in der Doppelturnhalle. Auf diese Bitte erhielt Bruno Gawlik am 10.10.1967 von der Stadtverwaltung die Antwort, dass ein Raum bei der AWO, am Bollwerk 9 - Montags von 17.00 Uhr - 20.00 Uhr genutzt werden kann.
Am 28.10.1967 protestierte unser Ortsgruppenvorstand im Namen ihrer 2.500 Mitglieder gegen die Kürzung der knappschaftlichen Steigerungsbeiträge für Ruhegeldempfänger und Erwerbsunfähigkeitsrentner der Knappschaft von 2,5% auf 2%.

 

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Zum Delegierten zum Gewerkschaftskongress 1968 wurde von unserer Ortsgruppe der Kollege Heinz Dyduch, sowie die Kollegen Ernst Krause und Karl-Heinz Standfuß zu seinen Stellvertretern gewählt.
Im April erhielt unser Ortsgruppenvorsitzender Hans Achtabowski im Zusammenhang mit der lohnsteuerlichen Behandlung von Werkswohnungen Post vom Fraktionsvorsitzenden der SPD H. Schmidt und der FDP Fraktion im Bundestag. In beiden Briefen wurde festgestellt, dass beide Fraktionen nicht die Meinung unseres Ortsgruppenvorstandes teilen.  Diplomkaufmann Günter Kaußen aus Köln kaufte bekanntlich in dieser Zeit einen großen Teil der Wohnungen der Monopol-Bergwerks GmbH auf. Im Juli 1968 gab es dann die ersten großen Schwierigkeiten zwischen Kaußen und unseren Kollegen. Es waren unberechtigte Mietforderungen, mangelnde Instandhaltung u.s.w.. In diesen Problemen wurden unsere Kollegen von der IGBE vertreten.
Im September 1968 erreichte unsere Ortsgruppe ein Spendenaufruf für die notleidende Bevölkerung der CSSR, die vom damaligen DGB Vorsitzender Ludwig Rosenberg und dem damaligen Vorsitzenden Willy Brand unterschrieben waren. Diesem Aufruf wurde von unserer Ortsgruppe nachgekommen.
Am 11.09.1968 bat unser Ortsgruppenvorstand unseren Jugendleiter Bruno Gawlik als beratendes Mitglied im Schachtgewerkschaft-Ausschuß Gespräche aufzunehmen, damit eine bessere Koordinierung der Jugendarbeit möglich wurde. Eine Forderung unserer Ortsgruppe wurde am 27.11.1968 verwirklicht. An diesem Datum wurde die RAG mit einem Stammkapital von 10 Mio. DM gegründet. Der Vertrag wurde am 18.07.69 unterzeichnet.

1969 fehlt.
Unsere Ortsgruppe richtete eine Resolution mit dem Inhalt "die Naziverbrechen nicht verjähren zu lassen" an die Bundesregierung. Außerdem wurden die Städte Kamen und Bergkamen, sowie der Kreis Unna aufgefordert keine Demos der Rechten zuzulassen. Auch die Schließung des Nazi-Ausbildungszentrums NRW, auf dem Gut Barenbräuker wurde gefordert, sowie das Verbot der NPD.
Am 14.02.1970 finden Neuwahlen in der Gaststätte Tillmann statt. Nach mehr als 25 Jahren aktiver Vorstandsarbeit traten die Kollegen Willi Falkenreck, Josef Becker, Otto Barz, Robert Berge und Erwin Hanel sen. nicht mehr zur Wiederwahl an. Zum ersten Mal wurde  M. Wiedemann in den Vorstand gewählt. Er übernahm das Amt des Stellv. Jugendleiters.
Auf der Versammlung berichtete unser Kongreßdelegierter H. Dyduch, daß von den eingebrachten Anträgen unserer Ortsgruppe nicht alle angenommen wurden. Angenommen wurden die Anträge zur Einführung der 5 Tage Woche, zum tariflichen Urlaubsgeld, zur Einführung einer Treueprämie und zur Einheitsgesellschaft. Der langjährige Kampf unser Kollegen zum Wäschedienst hatte endlich Erfolg. Der Wäschebeutel ( Puck ) bleibt endlich auf derZeche.
Die Mairede hält in diesem Jahr H.-W. Meyer, der dem geschäftsführenden IGBE Hauptvorstand angehört. Er begann seine gewerkschaftliche Tätigkeit bei uns in der Ortsgruppe als Jugendleiter. Sie führte Ihn, wie wir alle wissen zum IGBE und DGB Vorsitzenden.
Im März dieses Jahres, fand ein Jugendaustausch mit 30 französischen Bergarbeitern aus der Stadt Bury statt. Die Jahreshautversammlung unserer Ortsgruppe im Jahre 1971 begann mit dem Totengedenken, zum 25. Jahrestag des Grubenunglückes auf der Schachtanlage Grimberg 3/4. Dieses Unglück soll uns auch heute noch Mahnung und Warnung für die Zukunft sein.

 

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H. Achtabowski gab bekannt, daß bei der letzten Jubilarfeier 343 Jubilare geehrt wurden. Dies war eine neue Rekordzahl, was auch für die über 800 Gäste in der Konzertaula galt.
Am Ende der Versammlung gab unser Vorsitzende bekannt, daß er von seiner Funktion als Vorsitzender unserer Ortsgruppe zurücktreten wird. Er wurde in das Angestelltenverhältnis übernommen.

Die Jahre 1971/72 fehlen.
Betriebsräte und Teile unseres Ortsgruppenvorstandes forderten im Jahre 1973 in einen Gespräch in der Düsseldorfer Staatskanzlei den Bau eines Kohlekraftwerkes in Bergkamen.
Teilnehmer dieses Gespräch waren, der Chef der Staatskanzlei Prof.Dr. Alstenberg, der Minister für Arbeit und Soziales, Werner Figgen und der Minister für Wissenschaft und Forschung Johannes Rau. Von unserer Seite nahmen H. Achtabowski, H. Dyduch, H. Stahlhut und H. Bartylla teil.
Die Landesregierung stand dem Vorhaben positiv gegenüber, wenn eine finanzielle Flankierung des Bundes gewährleistet wird.
Auf der Mitgliederversammlung am 17.03.1973 forderte unsere Ortsgruppe, eine klare Aussage über die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaues, speziell für Monopol, von der Bundesregierung. Diese Forderung wurde aufgestellt, nachdem durch Gerüchte um eine Stillegung der Schachtanlage Monopol, Existenzängste sich unter unseren Kollegen breit machten.
Um eine mögliche Stilllegung zu verhindern, wurde von unserem Ortsgruppenvorstand die Einführung der 4 Tage Woche bei vollem Lohnausgleich gefordert. Durch die 4 Tage Woche, würde eine Minderförderung von rechnerisch 10-15 Mio t Jahresförderung erreicht. Damit würde die Förderung dem derzeitigen Bedarf angepasst.
Am 03.04.1973 jährte sich zum 100. Mal das Bestehen der Schachtanlage Monopol. Eine große Feier wurde aber nicht durchgeführt, wegen den Gerüchten einer möglichen Stilllegung. Auf der 1. Maikundgebung taucht zum ersten Mal das Transparent "Monopol muss leben" auf, dies sollte auch in den späteren Jahrzehnten fortwährend zu sehen sein. Geprägt wurde die Kundgebung durch die Existenzangst der Monopol Belegschaft. Obwohl marxistische, leninistische und rechtsradikale Demonstranten auftauchten, kam es durch das besonnene Auftreten der Gewerkschaftler zu keinen Zwischenfällen.
In einem Gespräch bei dieser Maikundgebung sicherte der SPD Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner, den Betriebsräten, unserem Ortsgruppenvorstand, dem MdB Schulte sowie Bürgermeistern und Stadtdirektoren aus Kamen und Bergkamen seine Unterstützung zu.
Diese Zusage sollte sich in der Zukunft als Faustpfand verwirklichen. Am 07.11.1973 kam um 8.30 Uhr die erste Rundfunkmeldung, in der die Stilllegung der Schachtanlage Monopol für 1976 angekündigt wurde. Diese Stilllegung wurde mit begrenzten Lagerstätten begründet.
Diese Nachricht löste nicht nur bei den 3200 Belegschaftsmitgliedern, sondern auch in der gesamten Region, einen Schock aus.
Dieser Beschluss führte bei unseren Kollegen zu Zorn und Unverständnis, weil zu diesem Zeitpunkt der nahe Osten zum ersten Mal den Ölhahn zudrehen wollte.
Nachdem unsere Kollegen ihre Fassung wieder gefunden hatten, begann unter dem Motto "Monopol muss leben" der Kampf.
Es wurde im Anschluss einer Betriebsratssitzung am 08.11.1973 ein Telegramm an den Bundeskanzler Willi Brandt gesandt. Es wurde in diesem Telegramm drauf hingewiesen, daß bei den gegenwärtigen Weltenergiesituationen unverantwortlich wäre, die Schachtanlage zu schließen.

 

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Während der Jubilarfeier raubte der IGBE Vorsitzende Adolf Schmidt unseren Kollegen die letzten Illusionen, als er in seiner Festrede Monopol keine Überlebenschance einräumte.
Am Sonntag, den 13.11.1973 führte unsere Ortsgruppe in Zusammenarbeit mit den Betriebsrat einen Schweigemarsch durch Kamen durch.
Herbert Wehner lud unseren Ortsgruppenvorsitzenden, den Betriebsratvorsitzenden sowie die Bürgermeister von Kamen und Bergkamen für den 17.11.1973 nach Bonn ein.
In diesem Gespräch erklärte Herbert Wehner, daß er für den RAG Vorstand kein Verständnis hat. Außerdem berichtete er. daß sich die Parlamentarier der alten Ortsgruppen Forderung nach einen Kohlekraftwerk anschließen würde.

Aktiv wurden auch die Städte Kamen und Bergkamen. Sie verabschiedeten in Sondersitzungen SOS Resolutionen. Zu einem Eklat kam es im Kamener Stadtrat, wo der SPD Ratsherr Dr. Schucht unter Schmährufen den Saal verließ, weil er sich, wie er erklärte als RAG Vorstandsmitglied befangen fühlte.
Obwohl fast die gesamte Region sich an dem Kampf um den Erhalt der Schachtanlage beteiligten, machten sich schon einige Leute Gedanken um die Verwertung des Monopol-Geländes.
Der Kampf für Monopol bekam am 17.09.74 einen Hoffnungsschimmer. Auf dem Gewerkschaftstag in Dortmund erklärte unser IGBE Vorsitzende Adolf Schmidt, daß unsere Gewerkschaft 5000 Arbeitsplätze retten will, die schon verloren geglaubt sind. Gemeint waren die Schachtanlagen Monopol und Hansa. Am 18.09.1974 trafen die ersten Meldungen ein, daß die Stillegungsbeschlüsse überdacht würden. Vom 10.-13. Mai 1974 führte unsere Ortsgruppe, trotz aller Sorgen um Monopol, ein Sommerfest in einem großen Festzelt auf dem Edelkirchhof durch.
Die Festrede hielt Regierungspräsident Fritz Ziegler.
Am 22.09.75 sendete unsere Ortsgruppe zusammen mit dem Schachtgewerkschaftsvorstand, dem Monopol Betriebsrat und der Angestellten-Ortsgruppe eine Resolution an den NRW Ministerpräsidenten Kühn. In dieser Resolution wurden die Probleme auf Monopol d.h. den ungesicherten Absatzmöglichkeiten und die Gefährdung der Arbeitsplätze hingewiesen.
Im Namen des Ministerpräsidenten antwortete DR. Schnoor. Er zeigte Verständnis für die Bergleute und verwies auf die Erfolge der SPD in Bund und Land im Zusammenhang mit der Sicherung der dtsch. Steinkohle hin und offerierte, daß die Energiewirtschaft ein Steinkohlekraftwerk mit 6000 MW Leistung bis 1980 bauen will.
Die Zusage die Bundeskanzler Helmut Schmidt den Kumpel auf der Schachtanlage Anna, Alsdorf, gegeben hat erfüllte sich mit einer Nachricht aus Bonn.
Die Bundesregierung in Bonn, sowie die Landesregierungen in Düsseldorf und Saarbrücken sagten eine milliardenschwere Kohlehilfe zu. Dies war der richtige Schritt zum Erhalt der Arbeitsplätze auf Monopol und zur gesicherten deutschen Energieversorgung.
Ein Aufatmen ging durch unsere Ortsgruppe und alle Bergleute.
Am 07.04.76 forderte unsere Ortsgruppe die Schließung des Landesausbildungszentrums in Kamen sowie das Verbot aller faschistischen Organisationen und Verbände sowie das Verbot sämtlicher Aktivitäten Neovaschisten.
Zum Anschluss des 25-jährigen Bestehen der Montanmitbestimmung, führte die IGBE eine Kundgebung in Essen in der Gruga-Halle am 22.05.1976 durch, an der sich unsere Ortsgruppe beteiligte.
Am 25.01.1977 wählte unsere Jugendgruppe ihren Vorstand. Zum Jugendleiter wurde P. Liedschulte einstimmig gewählt.

 

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Bei der Ergänzungswahl unseres Ortsgruppenvorstandes am 29.01.77 erfolgte ein Wechsel an der Spitze. Heinz Weinberger übernahm das Amt des 1. Vorsitzenden und sein Vorgänger Ernst Krause das Amt des Stellvertretenden Vorsitzenden. Bei dieser Wahl übernahm H. Hanel das Amt des Hauptkassieres. H. Dyduch wurde zum 1. Bildungsobmann gewählt.
Nach dem der Grundstein für das Heiler Steinkohlekraftwerk gelegt war, regte sich vehementer Widerstand gegen dieses Kraftwerk von einer Gruppe angeblicher Umweltschützer. Diese hatten den Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben und wollte dafür den Bau verhindern.
Dieser Versuch dauerte bis 1979 und beschäftigte viele Gerichte, sogar das Oberlandesgericht in Hamm. In diesem Zeitraum veranstaltete unsere Ortsgruppe zusammen mit dem Monopol-Betriebsrat, dem Schachtgewerkschaft-Ausschuß sowie der Bergkamener Ortsgruppe viele Kundgebungen und Demonstrationen für den Bau des Steinkohlekraftwerkes. Denn ohne dieses Kraftwerk, würde es den Bau der Schachtanlage Neu-Monopol nicht geben. Dies wussten unsere Kollegen und der ganze zurückliegende Kampf wäre umsonst gewesen.
Schon am 04.05.1977 erkannte man während einer Sondersitzung des Bergkamener Stadtrates, daß es der Iniative anstatt des Umweltschutzes nur um persönliche Bereicherung ging.
Es kam dann sogar zur Anklage der Dortmunder Staatsanwaltschaft gegen die Heiler Iniative wegen besonders schwerer Erpressung, der sich der Monopol-Betriebsrat anschloss. Als die Bürgerinitiative 1,5 Mill. DM von der STEAG bezahlt bekam, erlosch sofort der Widerstand gegen das Kohlekraftwerk. Damit konnte der Bau des Kohlenkraftwerkes vollendet werden.
Am 08.08.1977 feierte unser Kollege Valentin Schürhoff mit seiner Ehefrau das seltene Fest der Diamantene Hochzeit. Sein Leben stellte er ganz in den Dienst unserer Gewerkschaft und der Politik. Er arbeitete 38 Jahre auf Monopol unter Tage.
Vor 1933 war er lange Jahre Betriebsratsvorsitzender. Er vertrat die SPD von 1925 bis 1933 und von 1945 bis 1956 im Rat der Sadt Kamen. Davon 8 Jahre als stellv. Bürgermeister. Von 1945 bis 1956 war er Geschäftsstellenleiter der IGBE in Dortmund.
Nach dem ca. 33 Mio t. Kohle und Koks auf Halde lagen, fasste der RAG-Vorstand den Beschluss, die Kokerei Grimberg ½ zu schließen.
Heftiger Protest des Betriebsrates und unserer Ortsgruppe führte nicht zum Erfolg. Die Kokerei wurde geschlossen.
Am 10.11.1977 veranstaltete der DGB eine Großveranstaltung unter dem Motto "Gesicherte Energieversorgung für die Zukunft" .
Die Hauptredner waren u.a. Heinz O. Vetter, Adolf Schmidt, Eugen Loderer und Heinz Klunker.
Für diese Veranstaltung stellte unsere Ortsgruppe zahlreiche Ordner und Teilnehmer.
Während unserer Jubilarfeier in diesem Jahr, stellte Kollege Heinz Dyduch die Aussage des RAG-Vorstandes, aus dem Jahre 1975. daß für den Bau der Schachtanlage Neu-Monopol 285 Mio DM als Investition ausreichten in Frage.
Er nannte eine Summe von 500 Mio DM. womit er später auch Recht behielt.
Die Arbeit unserer Hauskassierer wurde dadurch erleichtert, daß die Rentnerbeiträge über die Bundesknappschaft eingezogen werden konnte.
Im Jahre 1978 stellten unsere Kollegen auf Neu-Monopol einen neuen Weltrekord im Streckenauffahren mit der Robbins-Vollschnittmaschine auf. Es waren 573m Gesteinsstrecke in einem Monat.

 

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Während einer Mitgliederversammlung referierte H. Dyduch über die Situation auf Monopol-Fortsetzung. Er sagte, daß schon bereits 200 Mio DM verbaut worden sind. Das Gesamtvolumen wird ca. 600 Mio DM betragen. Am 15.04.78 soll das Heizkraftwerk in Betrieb genommen werden.
Für die Modernisierung der Schächte Grimberg 1 und Grimberg 2 standen 26 Mio DM zur Verfügung. Die Vorstandswahlen am 10.06.1978 verliefen ohne große Sensationen. Bei dieser Wahl schieden die verdienten Kollegen Ernst Krause, Emil Lehn, Heinz Schmidt und Heinz Stahlhut aus Altersgründen aus.
Als Jugendleiter wurde Norbert Rediger bestätigt, der später die Sozialakademie in Dortmund besuchte.
Damit erwarb er sich die Qualifikation für seine spätere Tätigkeit beim DGB. Heinz Weinberger gab in seinem Bericht bekannt, daß der von unserer Ortsgruppe gestellte Antrag beim Kongress angenommen wurde. Inhalt dieses Antrages war die Gleichstellung zwischen Arbeitern und Angestellten beim Bezug von Deputatkohle. Dies wurde im Tarifvertrag 1978 festgeschrieben.
Die Maikundgebung stand in diesem Jahr unter dem Motto "
Recht auf Arbeit",Zukunft sichern". Im September wurde Valentin Schürhof zum 70. jährigen Gewerkschaftsjubiläum geehrt.
Am 12.12.1978 beschloss der Hauptvorstand der IGBE, auf Antrag unserer Ortsgruppe den Ausschluss von Wilfried Atorf aus der IGBE, mit sofortiger Wirkung. Er war Mitglied der NPD und damit für uns als Gewerkschaftskollege nicht mehr tragbar.
Auf der ersten Belegschaftsversammlung im Frühjahr berichtete Dr. Schucht, daß auf Monopol 93 Mio t abbauwürdiger Kohle liegen würden. Dies würde, wenn Neu-Monopol Mitte des Jahres anlaufen würde, für 3000 Bergleute Arbeit für 30-50 Jahre bedeuten.
Die Maifeier wurde in diesem Jahr wider turnusgemäß von unserer Ortsgruppe gestaltet. Festredner war Hans Alker, stellvertretender IGBE Vorsitzender.
Am 14.09.1978 führte unsere Ortsgruppe eine Haldenbegehung für Pensionäre in Zusammenarbeit mit dem Schachtgewerkschaft- Ausschuß und dem Betriebsrat durch.
Am 14.08.1979 zeigten sich der 1. Vorsitzende des Betriebsrates und unsere Ortsgruppe bestürzt über die Pläne des RAG Vorstandes. Der Vorstand wollte die Förderung um 20 Mio t Jahresförderung erhöhen, dies sollte ohne Neueinstellungen, sondern nur über Mehrarbeit und -leistung gehen.
Dies war für unsere Gewerkschaftler nicht zu akzeptieren. Sie forderten Neueinstellungen. Um dieses zu erreichen, müssten die Bergleute den 12. Platz der Lohnskala verlassen und sich im vorderen Drittel wiederfinden. Dies forderte unsere Ortsgruppe noch einmal in Form einer Resolution an den Hauptvorstand der IGBE.
In unserer Mitgliederversammlung Anfang September forderten unsere Kollegen vom RAG-Vorstand, daß die begrünten Halden für die Bevölkerung als Ruhe- und Erholungsgebiete freigegeben werden. An der 90-Jahr Feier unserer Gewerkschaft in Dortmund, im Westfalenhallenbereich, hat sich unsere Ortsgruppe mit 800 Kollegen beteiligt.
Zur Belegschaftsversammlung am 22.09.1979 wurde Herbert Wehner eingeladen. Er sollte genau an der Stelle, wo die Belegschaft den später zurückgenommenen Stillegungsbeschluß erfahren hat, reden  und den Dank der Belegschaft entgegennehmen. Heinz Dyduch schilderte bei seiner Begrüßung noch einmal die Krisenzeiten und den Kampf um den Erhalt von Monopol mit dem maßgeblichen Einfluss von Herbert Wehner.

 

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Vor und während der Belegschaftsversammlung hatte Herbert Wehner gänzlich auf Polizeischutz verzichtet. Er sagte " Unter Freunden sei dieses nicht nötig". Am Ende, der mit viel Beifall unterbrochenen Rede, überreichte unser Betriebsratsvorsitzende H. Dyduch Herbert Wehner eine Erinnerungsurkunde mit den Worten " Sie sind ein Freund der Monopol- Belegschaft" Während des Berichtes der Werksleitung erklärte R. Harmann, daß Monopol eine Fördersteigerung von täglich 1000t erreicht hat, damit auch die beste Betriebspunktförderung hatte. Der Betriebsratsvorsitzende schloss die Belegschaftsversammlung mit den Worten "Solidarität hat gesiegt, Monopol lebt".
Auf der Jubilarfeier unserer Ortsgruppe forderte der RAG Arbeitsdirektor einen gerechten und damit höheren Lohn für die schwere Arbeit unserer Kollegen.
Bürgermeister Ketteler zeigte sich, während der Grußworte, erfreut von den Versprechen des RAG Vorstandes mehr Wohnungen für Bergleute zur Verfügung zu stellen.

Die Äußerung von Bergwerksdirektor R. Harmann, keine frühzeitigen Pensionierungen, aus Arbeitskräftemangel zuzulassen, löste einen Protest unserer Ortsgruppe aus. Im Jahre 1980 löste eine Äußerung des CDU-Kreisvorstandes Proteste aus, in dem sie den Gewerkschaftern von Monopol Volksverdummung vorwarfen. Ausgang für diesen Vorwurf war die Wähleriniative zur Wiederwahl des Kulturministers Girgenson. (SPD).
Schon Anfang des Jahres 1980 forderten unsere Kollegen den Bau von neuen Wohnungen auf dem Monopol-Parkplatz. Außerdem wurde gefordert, daß der Landabsatz auf Monopol verbleiben sollte, weil für Neu-Monopol keiner geplant war. Daraus würde resultieren, daß der Fuhrpreis zu hoch würde.
1980 gehörte unser Ortsgruppenvorsitzende H. Weinberger zur großen Tarifberatungskommission der IGBE. Diese Tarifverhandlungen sollten mehr Lohn und neue Tarifstrukturen für 182.000 Bergleute beinhalten. Während der Jahreshautversammlung am 18.02.1980 berichtet H. Weinberger, daß die IGBE im Jahre 1979 325.181 DM für die Kollegen aus Kamen vor Sozialgerichten erstritten hat.
Auf Druck unserer Ortsgruppe gab der Knappschaftsvorstand bekannt, daß die Zahlstelle in Kamen erhalten bleibt.
H. Dyduch und Heinz Weinberger erhielten von unseren Kollegen den Auftrag, sie auf dem Gewerkschaftskongress vom 24.-28.11.1980 in Aachen zu vertreten. Zu diesem Kongress werden zum ersten Mal ausländische Kollegen entsannt. Als Wahlmänner und Kandidaten für unsere Ortsgruppe wurden die Kollegen Ismail Bostanci und A. Recep genannt.
Ein großer Skandal ereignete sich im August 1980. Der Bergwerksdirektor F. Heising von Haus Aden, verglich während eines Referat vor den Mitgliedern des Verbandes der Führungskräfte, das Taktieren der IGBE mit der Gleichschaltung im Hitlerdeutschland. Diese Entgleisung war nicht die erste dieser Art, als Bergwerksdirektor von Monopol ließ er schon alle IGBE Plakate abreißen. Aber diese Äußerung war der berühmte Tropfen, der daß Fass zum Überlaufen brachte.
Unser Vorsitzender Adolf Schmidt sagt " Gewerkschaftler mit Nazis gleichzusetzen, sei der größte Skandal in der Geschichte des Bergbaues. Die IGBE bestand auf einer Absetzung F. Heising, die auch durchgesetzt wurde.

 

 

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Am 06.08.1981 erreichte uns die Nachricht, daß unser langjähriger Vorsitzende H. Achtabowski im Alter von 50 Jahren, seiner schweren Krankheit erlegen war. Er hatte sich zu Lebzeiten um die Gewerkschaftsarbeit verdient gemacht.

Im Sommer 1980 kam es zu Differenzen zwischen der neugegründeten DAG Betriebsgruppe Monopol und der IGBE Betriebsgruppe. Die DAG Betriebsgruppe unterstellte unseren IGBE Kollegen, Sie hätten den Wirt Ihres Tagungslokales in Kamen anonym und massiv diffamiert.

Daraufhin sprachen die Mitglieder der IGBE Ortsgruppe auf ihrer Mitgliederversammlung, dem Vorstand ihr vollstes Vertrauen aus.

Während der Jubilarfeier 1980 kam es vor 800 Gästen in der Konzertaula zu Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Betriebsratvorsitzenden H. Dyduch und dem Kamener Bürgermeister Ketteler.

Heinz Dyduch nannte die öffentliche Vereidigung der Rekruten, ein Spektakel aus der Nazizeit. Ketteler erwiderte daraufhin, daß die Kamener Gewerkschaftskollegen damit im Widerspruch zu den Führungsgremien des DGB's stehen, die keinen Einwand gegen eine öffentliche Vereidigung hatten. Heinz Weinberger sagte dazu, daß die Gewerkschaften nicht nur für Löhne und Tarifurlaub zuständig sind, sie müssten sich auch um gesellschaftspolitische Themen und die Montanmitbestimmung kümmern.  Im Jahre 1981 wird eine Forderung unserer Ortsgruppe erfüllt, indem die stillgelegten Zechenbahntrassen in Rad- und Wanderwege umgewandelt werden.

Am 13.10.1981 wurde Neu-Monopol eingeweiht, damit hatte der langjährige Kampf unserer Kollegen Erfolg gehabt.

Dies war der erste Zechenneubau seit Gründung der RAG. Mit der Eröffnung und dem Umzug nach Neu-Monopol, ging aber eine 100 jährige Bergbau- Tration in Kamen zu Ende.

Unsere Ortsgruppe kämpfte weiter dafür, daß das Monopol-Gelände als Bergarbeiterwohnpark genutzt wird.

Im Oktober 1981 wurde unser Ortsgruppenvorsitzende in den IGBE Hauptvorstand gewählt. Auf die Forderung der CDU Stadtratsfraktion, auf dem Monopol-Gelände Industrieansiedlungen zu bauen, legte unsere Ortsgruppe Protest ein.

Auf der Jubilarfeier am 03.10.81 wurden 58 Mitglieder von Kurt Obiju (Sprecher des Gesamtbetriebsrates und Mitglied des Hauptvorstandes) geehrt.

Kollege Kurt Obiju gab in seiner Festrede einen Rückblick auf die Entwicklung der Stadt Kamen als Bergarbeiterstadt von 1873 bis heute und endete mit der wirtschaftlichen Zukunftsprognose des heimischen Raumes. Der stellv. Betriebsratsvorsitzende Willy Meier dankte im Anschluss seinem Vorgänger H. Achtabowski für seinen Einsatz für Neu Monopol. Er forderte, daß die gesamte Monopolbelegschaft an der Einweihungsfeier teilnehmen kann. Zu dieser Einweihungsparty hat Bundeskanzler Helmut Schmidt sein Kommen zugesagt. Bürgermeister Ketteler versprach, sich für den Bau von Bergarbeiterwohnungen auf dem Alt Monopol Gelände einzusetzen.

 

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Unsere Ortsgruppe bestand weiter auf der Forderung bezahlbaren Wohnraumes für uns Bergleute. Der ständige Kampf unserer Kollegen um die Arbeitssicherheit zahlte sich aus. Die rückläufigen Unfallzahlen dafür gab das Bergamt bekannt.
Im Januar 1982 gab die Unnaer Kreis- und Siedlungsgesellschaft (UKBS) bekannt, daß auf dem Monopol-Parkplatz 70 öffentlich geförderte Wohnungen für Bergleute gebaut werden.
Eine Untersuchung der Ruhr Uni Bochum wurde im Januar veröffentlicht. Dabei wurde das Vorurteil, das ausländische Kollegen weniger als deutsche verdienen, widerlegt. In der Untersuchung wurde festgestellt, dass türkische Kollegen einen höheren Verdienst haben, als Gründe dafür wurden die Bereitschaft zur Mehrarbeit und das jüngere Durchschnittsalter genannt. In dieser Untersuchung wurde festgestellt, daß 180 Türken in unserer Ortsgruppe organisiert sind. Der Ausländeranteil war zu dieser Zeit 15,2 %.
Im Januar gab die VEBA bekannt, daß sie ca. 150 Wohnungen im Bereich der Lünener Höhe bauen will. Durch die laufenden Erhöhungen der Öl- und Gaspreise, rutschte der Preis der heimischen Steinkohle unter den Öl- und Gaspreis. Dies bestätigte Wolfgang Beilschmidt (Geschäftsführer des Landesbedarfhandels). Am 06.03.1982 fand die Jahreshauptversammlung mit Wahlen, statt.
Es wurden Heinz Weinberger als Vorsitzender, Erwin Hanel als stellv. Vorsitzender, Heinz Hanel als Hauptkassierer, K.-H. Nielinger als Schriftführer und M. Wiedemann als Bildungsobmann wiedergewählt. H. Kulcke forderte während dieser Versammlung die Sicherung des Realeinkommens bei den Tarifverhandlungen.
Von der Versammlung wird die Bestrafung der Schuldigen, so Sie gegen geltendes Recht verstoßen haben, am Niedergang der Neuen Heimat gefordert.
Während dieser Versammlung wurden 1167,90 DM für die Aktion Polenhilfe gesammelt. Anfang Mai Widersprach der RAG Pressesprecher Klaus Simson den Gerüchten einer Massenentlassung oder sogar einer Schließung von Monopol.
Unser Ortsgruppenvorsitzender Heinz Weinberger fordert in einem Interview und auf der Belegschaftsversammlung den Bau einer Kohlemischanlage auf Monopol. Ohne diese wären die Arbeitsplätze gefährdet.
Die ersten Auseinandersetzungen zwischen dem Grafen Kanitz begannen im Mai 1982. Er behauptete, daß das Heiler Kraftwerk in den heimischen Wäldern katastrophale Umweltschäden anrichten wird. Im Juni 1982 erreichte, die Genehmigung zum Bau der Kohlemischanlage die RAG. Auf der Belegschaftsversammlung am 12.09.1982 gab der Betriebsratvorsitzende Heinz Weinberger bekannt, daß Monopol zum ersten Mal die Förderplanzahlen überschritten hat. Es waren statt der 8200 t, 8395 t. Er berichtete ebenfalls, daß am 01.09.1982 124 Auszubildende angefangen haben.
Auf dem Gewerkschaftstag in Essen, forderte unser IGBE Vorsitzende Adolf Schmidt, eine staatliche Beschränkung der Einfuhren von Importkohle.
Dies geschah vor der Kulisse der steigenden Kohlehalden. Durch die Pleite der Neuen Heimat musste die IGBE 31 Mio DM zuschießen. Im Jahre 1982 stiegen die Halden von 11,6 Mio t auf mehr als 20 Mio t.

 

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Unsere Gewerkschaft wehrte sich gegen eine Lösung auf Kosten der Kumpel und forderte erneut die Einschränkung der Importkohle.
Am 02.10.1982 wurden in der Konzertaula 52 Jubilare, von H.W. Meyer( Mitglied des geschäftsf. Vorstandes) geehrt.

In seiner Festrede schildert H.W. Meyer die wirtschaftliche und politische Situation, als die Jubilare vor 60 und mehr Jahren in die Gewerkschaft eintraten.
Am 18.01.83 wird der 1975 eingeführte Kohlepfennig von 4,2 % auf 3,5 % gesenkt. Als die Bundesknappschaft am 03.02.1983 von der Unnaer Str. zur Poststraße umzog, wurde der Weg für unsere Mitglieder kürzer.
Der Knappschaftsälteste Kollege Heinz Schmidt übergibt nach 13 jähriger Tätigkeit, die Betreuung von 1000 Mitgliedern, im April 1983 an Manfred Wiedemann.
Auf der Betriebsversammlung am 19.02.83 gibt der Betriebsratsvorsitzende Koll. Heinz Weinberger bekannt, daß die geforderte Tagesförderung von 9000 Tagestonnen auf Monopol erreicht ist, aber ihr Absatz schwierig ist.
Bei der Mitgliederversammlung am Samstag dem 03.April 1983 wird die Forderung des CDU Landesvorsitzenden Bernhard Worms nach weiteren Zechenstillegungen scharf kritisiert. Beim Hauptvorstand der IGBE und beim Bezirksvorsitzenden Heinz Assmann fand unsere Ortsgruppe dabei volle Unterstützung. Protestschreiben gehen an alle Bürgermeister und Abgeordnete in Bund und Land.
Wie immer, so richtet unsere Ortsgruppe auch dieses Jahr den Tanz in den Mai aus. Die roten Nelken vom DGB gibt es tradionsgemäß als Eintrittskarte für alle. Umweltschutz war das Thema Nr. 1 auf der großen Maikundgebung. Die IGBE informierte über den sauren Regen und seine Ursachen. Zum Abschluss wird festgestellt, daß die Steinkohlenkraftwerke nicht der Buhmann der Nation sein dürfen.
An den Vorstand des SPD Ortsvereins wird von vielen Vereinen und Verbänden die Forderung gestellt, sich für die Nutzung der Monopolkaue einzusetzen. U.a. wurde auch ein Gebetssaal für Moslems gefordert. Im Juli führte die BAG Verhandlungen mit einem Verbrauchermarkt, der die Kaue als Verkaufsstelle für Campingmöbel nutzen möchte.
Ein großes Sommerfest veranstaltete unsere Ortsgruppe am 02.07.83 auf dem Sportplatz " Lüner Höhe". Der Bundesgerichtshof gibt am 22.06.1983 den Klägern recht, daß Bergbaurentner und Bergbauwitwen die Energiebeihilfe zu recht erhalten.
Unser Ortsgruppenvorstandskollege Heiner Stahlhut gibt am 24.06.83 sein Amt als Stadtrat aus gesundheitheitlichen Gründen zurück. Im Juli übergibt er dann das Amt als Knappschaftsälteste an Willy Krämer. Am 19.07.83 berät der Aufsichtsrat der RAG über weitere Zechenstillegungen. Betroffen wären die Arbeitsplätze von 10000 Bergleuten aus dem östlichen Ruhrgebiet, sowie weiteren 10000 aus der Zulieferindustrie.
Unser Vorsitzende Heinz Weinberger gibt die Forderung der Ortsgruppe nach einem kleinen Bergbaumuseum bekannt. Ein Förderrad auf dem Galgenberg könnte an den über 100 jährigen Kohleförderstandort Kamen erinnern. Für ein kleines Museum würde sich ein altes Zechenhaus eignen.
Von unserer Ortsgruppe wird der Beschluss der BAG, die Bergehalde in Bergkamen aufzuforsten, mit großer Freude unterstützt. Ab Herbst 1983 werden 130000 Bäume auf der Halde angepflanzt.

 

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Während der Mitgliederversammlung am 10.09.83 gab unser Vorsitzender Heinz Weinberger bekannt, daß es in den folgenden fünf Jahren je 20 Feierschichten geben wird, deren Finanzierung jedoch noch nicht gesichert ist.
Angesichts der andauerten Krise im deutschen Steinkohlebergbau haben unsere Delegierten, Heinz Dyduch und Heinz Weinberger auf dem Gewerkschaftstag in Oberhausen die sofortige Einführung der vier Tage Woche bei vollem Lohnausgleich gefordert.
Am 03.10.83 wurde ein phantastisches 70 jähriges IGBE Jubiläum von Valentin Schürhoff gefeiert. Diese Ehrung übernahm der Gewerkschaftsvorsitzende Adolf Schmidt, er erinnerte dabei, daß im Jahre 1908, als Valentin in die Gewerkschaft eintrat, dies noch ein Grund zur fristlosen Kündigung war. Ebenfalls erinnerte Adolf Schmidt an die Besetzung der Gewerkschaftshäuser durch die Nazis, sowie an die Ermordung des Gewerkschaftlers Fritz Husemann.
Einen dank sprach er allen Jubilaren für ihren Beitrag zur Schaffung der Demokratie aus. Viel Applaus erhielt Kamens Bürgermeister Werner Berg, als er versprach sich für den Erhalt der Kaue von Alt Monopol einzusetzen.
Viele unserer Kollegen unterstützten am 23.05.1984, bei einer 4000 Mann starken Demo in Unna, streikende Metallarbeiter.
Am 28.05.1984 wollten sich viele Kamener Bergleute einer Demo in der Bonner Innenstadt anschließen. Aber durch einen Stau auf der Autobahn kamen sie zur Demo zu spät.
Auf der Mitgliederversammlung am 23.06.1984 erneuerte unsere Ortsgruppe die seit acht Jahren bestehende Forderung der vier Tage Woche. Weitere Forderungen an den Kongress und den Hauptvorstand waren, ein Verbot aller ABC Waffen, die Abschaffung aller konventionellen Waffen und der Bau umweltfreundlicher Kohlekraftwerke.
Für seine 25 jährige Tätigkeit als Hauskassierer wurde Bruno Achtabowski am 04.08.84 geehrt. Mitglied in der IGBE ist er seit 47 Jahren.
Einen Rückblick auf 111 Jahre Bergbaugeschichte in der Stadt Kamen hielt der stellv. Bürgermeister Manfred Erdtmann auf der Jubilarfeier am 06.10.1984 in der Konzertaula. Neben dem Schiefen Turm, sei der Förderturm von Schacht 1 das Wahrzeichen der Stadt, und so sollte es auch bleiben. Wütende Proteste gegen die Änderung des § 116 AFG  (Streikparagraph ) gab es während der Jahreshauptversammlung am 03.02.1986. Verantwortlich dafür sei die kleine 5% Partei FDP, so Heinz Weinberger.
Der stellv. Bezirksleiter H. Kulcke prangerte im Besonderen die Schaffung der Sprecherausschüsse an. Durch diese hätten leitende Angestellte dauerndes Teilnahmerecht an Betriebsratssitzungen. Heinz Weinberger gab nach seiner Wiederwahl bekannt, daß die Zahl unserer Ortsgruppenmitglieder von 1795 auf 1921 angewachsen ist. Gründe dafür sind, die wachsende Zahl der Anlegung von Azubis sowie der Zuzug von Kollegen stillgelegter Anlagen.
Bei der Jahreshauptversammlung am 07.03.87 im Saal Funke, klagte H. Weinberger über die mangelhafte Beschäftigungspolitik der Bundesregierung, nach der Bundestagswahl. Heftige Diskussion gab es auch über den Skandal bei der Neuen Heimat. Vom Vorstand des DGB wurden neue Konzeptionen für die gemeinwirtschaftlichen Unternehmen verlangt. Die Kontrollen sollten verschärft werden.

 

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Der von Minister Klaus Matthiesen ins Leben gerufene Arbeitskreis " Nordwanderung des Ruhrgebietes" unter Vorsitz von Prof. Dr. Lothar Finke übte scharfe Kritik an den Abbauplänen der BAG Westfalen. Der Cappenberger Wald und das Schloss würden Schäden erleiden, die nicht wieder gut zu machen sind.
Am 23.03.1987 behauptet der Bundeswirtschaftsminister Bangemann, daß die Volkswirtschaft der Bundesrepublik  ernsten Schaden nehmen
würde, wenn man Kohle und Stahl künstlich am Leben erhalten würde. Nach seiner Meinung sei die deutsche Kohle nicht mehr zu retten.
Diese Äußerung führte auf allen Zechen zu Protestwellen. Flugblätter wurden verteilt, in Eiltelegrammen an den Bundeskanzler wurden klärende Worte von Ihm gefordert. Auf vielen Bergwerken kam es zu verspäteten Seilfahrten und Protestkundgebungen.
Bei der Betriebsratwahl im März 1987 wurde unser Ortsgruppenvorsitzender H. Weinberger wieder als Betriebsratsvorsitzender gewählt.
Bei der Maikundgebung vor hunderten von Menschen beklagte Georg Ippers, Vorstandsmitglied der IG Metall, massive Angriffe von konservativen Politikern und den Unternehmer gegen die Gewerkschaften. Die Maiveranstaltung stand unter dem Motto < Arbeit schaffen, Umwelt schützen, Technik sozial gestalten >. Auf zahlreichen Transparenten standen diese und weitere Forderungen, die bei dem langen Umzug durch die Kamener Innenstadt zu lesen waren.
Eine lange Durststrecke für den deutschen Steinkohlebergbau sah der Gesamtverband in Essen für das laufende Jahr. Schuld sei zu 70% der Verfall der Weltenergiepreise und des Dollarkurses und zu 30% der geringerer Verbrauch der Hütten infolge der anhalteten Stahlkrise.
Am 22.05.1987 wird unser Kollege Valentin Schürhof zu Grabe getragen. Er starb im Alter von 95 Jahren. Bei einer Pressekonferenz im Juni 1987 prognostiziert Heinz Weinberger Streiks auf Monopol wenn nicht bald Klarheit für die Bergleute geschaffen würde. Zu den schon geplanten 15 Kurzarbeiterschichten sind jetzt noch zwei hinzugekommen. Für viele Bergleute geht es nun ans Eingemachte um zu überleben.
Großen Anklang bei der Bevölkerung fand der Tag der offenen Tür auf Monopol. Geboten wurden nach dem ökumenischen Gottesdienst, Besichtigung des Grubenwehrhauses mit Film und Diavorführungen, Bergtechnik im Lehrstollen und Ausbildungswerkstatt, sowie Besichtigung der Aufbereitung, Bergehalde, Grubenwarte und Eisenbahnfahrten zum Gersteinkraftwerk.
Am 20.07.87 kam es zu einem Warnstreik in der Zentalwerkstatt in Kamen- Heeren. Werner Müller, Schachtgewerkschaftsvorsitzender, sagte > die Bergleute werden nicht kampflos zusehen, wie ihre Arbeitsplätze vernichtet werden.
Am 20.07.1987 beschließt der IGBE Hauptvorstand ein Konzept zur Überwindung der Krise im deutschen Steinkohlenbergbau.
Der diesjährige Seniorenausflug führte am 25.09.87 unsere Kollegen mit ihren Ehefrauen in das Dorf Münsterland. Dort standen Besichtigung einer Modenschau und Tanz auf dem Programm. Fünf Stunden standen Vertreter des Landesoberbergamtes und Gutachter vor den Toren von Schloss Cappenberg, bis die Anwälte des Grafen Kanitz den Experten erlaubten, einen Teil der Stiftskirche auf eventuelle Schäden zu untersuchen.
Am 26.09.87 fordert Hardy Walter, von der Hauptverwaltung der IGBE, in Kamen vor Bergleuten eine Zusammenarbeit von SPD und CDU zur Überwindung der Bergbaukrise.
Am gleichen Tag sammelten die Kollegen unserer Ortsgruppe 650 DM um ihre Kollegen in Südafrika in ihrem Kampf um gerechte Löhne und Abschaffung der Apartheid zu unterstützen.

 

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Zahlreiche Kamener und Bergkamener Bergleute und Bürger fuhren am 07.10.1987 in 40 Bussen nach Hamm. Dort fand ein Sternmarsch mit 26000 Teilnehmern statt. Diese Aktion sollte die Bergbaujugend beim Kampf um den Erhalt der Bergbauarbeitsplätze unterstützen.
Hände weg von Erreichtem, diese Forderung von Heinz Weinberger drückten die großen Sorgen der Gewerkschaftler bei der Jubilarfeier 1987 aus. Bürgermeister Werner Berg stellte fest, daß immer noch 2500 Arbeitsplätze für Kamener Bürger von der RAG gestellt werden. Vor den 104 Jubilaren griff Klaus Südhofer (Mitglied des geschäftsführenden IGBE Vorstand) den amtierenden Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann wegen seiner verfehlten Kohlepolitik heftig an.
2000 Kumpel weigerten sich am 09.10.87 anzufahren, weil sie das Spiel, vom Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann, um ihre Arbeitsplätze satt hatten. Betriebsräte und gewerkschaftlich Vertrauensleute benötigten viel Überredungskunst um den Arbeitsfrieden zu retten.
Am 20.10.1987 ist es endlich soweit, das Bundesverfassungsgericht erlaubt endlich, den Bergbaugutachtern für 30 Tage das Cappenberger Schloss zu untersuchen.
38000, darunter viele Kamener IGBE Kollegen, demonstrieren in Lünen für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Sieben Städte aus dem heimischen Raum bilden eine Notgemeinschaft, Ihre Vertreter, die Bürgermeister, Stadtdirektoren und die Betriebsräte tragen ihre Sorgen dem RAG Vorstand vor.
Erneuerte Arbeitsniederlegung gab es auf Monopol und Haus Aden am 10.12.87. Ein scheitern der Kohlerunde wird von den Belegschaften nicht hingenommen. Es sollte einen Kompromiss bei der Kohlerunde geben: bis 1995 keine Entlassungen und in Bonn wurde die Anpassungsregelung bis 1994 verlängert.
Der Maiumzug 1988 ging zur Pfalzschule in Weddinghofen. Herbert Helm ( IGBE Hauptvorstand ) forderte in seiner Rede die Schaffung neuer Arbeitsplätze und die Sicherung der Standorte von Kohle und Stahl.
Auf einer Versammlung von Gewerkschaftlern der Ortsgruppen Bergkamen, Kamen und Werne in Hamm forderte Klaus Südhofer ( geschäftsführender Vorstand ) eine Anschlußregelung für den 1995 auslaufenden Jahrhundertvertrag. Zur Überwindung der Krise schlug er Arbeitszeitverkürzung sowie Beschränkung der Mehrarbeit vor. Auf Kurzarbeit könnte wohl auch nicht verzichtet werden können.
Im Februar wird bekannt, daß sich die BAG Westfalen aus den Verwaltungsräumen auf Alt Monopol zurückzieht.
Der Beigeordnete der Stadt Kamen Hans Franke, beschwerte sich darüber :" das die Stadt nun den Bau am Hals hat und ihn gar nicht braucht". Für die Stadt wäre es besser einen neuen Mieter dafür zu finden. Im Mai 1988 wird unser Ortsgruppenvorsitzender Heinz Weinberger, in seiner Funktion als Betriebsratvorsitzender; in den Aufsichtsrat der BAG Westfalen gewählt.
Kampfbereit zeigten sich die IGBE Ortsgruppenmitglieder während ihrer Versammlung am 11.06.1988 für die Fortschreibung des Jahrhundertvertrages über das Jahr 2000 hinaus. Spontan wurde in dieser Versammlung 1152 DM für die Kinder der um das Leben gekommenen Bergleute in Stolzenbach (Borken) gesammelt.
Bei der dramatischen Rettung der Überlebenden hatten unsere Kollegen der Grubenwehren Haus Aden und Monopol den entscheidenden Anteil.

 

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Der diesjährige Seniorenausflug führte unsere Kollegen in vier Bussen in das Lipperland. Dort wurde das Hermanns Denkmal und die Adlerwarte Berlebeck besichtigt. Der Abschluss mit Essen und Tanz fand in der Gastwirtschaft Langerbein statt.
Die Jubilarfeier 1988 stand unter der Regie des stellv. Vorsitzendende  E. Hanel, da der erste Vorsitzende in diesem Jahr seine 40 jährige Mitgliedschaft feierte. In seiner Jubilarrede zeigte sich der stellv. Bezirksleiter Heinz Kulcke, besorgt über das Schicksal der 25000 Mitarbeiter, die nach dem Ergebnis der Kohlerunde demnächst ausscheiden müssten. Mitbetroffen durch die gezielte Reduzierung seien auch Ausbildungsplätze, was besonders schlimme Folgen für die regionale Jugendarbeitslosigkeit hat. Für 70 jährige Mitgliedschaft wurde der 93 jährige Friedhelm Krause geehrt.
Auf der Mitgliederversammlung am 03.12.1988 wurde berichtet, daß unser Kollege Heinz Weinberger wieder in den Hauptvorstand gewählt wurde. Kollege Manfred Wiedemann gab als Sprecher der Arbeitsgruppe Arbeitsschutz einen Überblick über das neue Ortungsgerät. Diese soll helfen verschüttete Bergleute schneller zu orten. Dieses Ortungsgerät sollte ein Sender im Schuh sein.
Im ersten Quartal 1989 wurde bekannt, daß der Bergwerksdirektor Karl-Richard Haarmann nach 15 jähriger Tätigkeit als Bergwerksdirektor nach Haus Aden wechselt. Seine Nachfolge tritt Bergassessor Dieter Siepmann an. Unter der Leitung von BWD Haarmann vollzog sich der Umzug der Schachtanlage von Kamen nach Bergkamen.
Auf der Mitgliederversammlung am 05.02.89 schildert Heinz Weinberger von einer großen Unruhe auf der Schachtanlage Monopol. Sie entstand nachdem der Bundeswirtschaftsminister Hausmann bekannt gab, daß es in Zukunft keine sozialen Absicherungen und Anpassungsmaßnahmen mehr für Bergleute geben wird. Die vereinbarten Fördermengen könnten, laut Hausmann, auch nicht mehr eingehalten werden. Auf dieser Mitgliederversammlung berichtete Klaus Greger, IGBE Schule Haltern. Er beschuldigte die Bundesregierung, es zuzulassen, daß Erdöl welches am wenigsten auf der Welt vorhanden ist, am meisten verbraucht wird. Erdgas und Kohle hingegen könnten in Deutschland jahrzehntelang, ohne Abhängigkeit vom Ausland, gefördert werden.
Im März 1989 fährt unser Ortsgruppenvorsitzender Heinz Weinberger mit einer Delegation zum internationalen Bergarbeiterkongress nach Simbabwe. Hauptthema dieses Kongresses waren die Probleme der Bergleute in der Dritten Welt.
Im März kam es zu den ersten Warnstreiks und Arbeitsniederlegung, die auf die Äußerung vom Bundes- Arbeitsminister Hausmann, zurückzuführen sind.
Im Kamener Stadtteil Heeren gab es einen Protestzug von streikenden Mitarbeitern der Zentralwerkstätten. Unser Ortsgruppenvorstandsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Zentralwerkstätten Werner Müller, informierte die Streikenden über die aktuelle Situation im deutschen Steinkohlenbergbau.
Im Beisein von IGBE Vorsitzenden H.W. Meyer wurden am 03.05.89  330 Rekruten auf Monopol vereidigt. Wegen dieses Gelöbnisses wurden Gegner dieses Gelöbnisses, mit leichter körperlicher Gewalt bis vor das Werkstor der Schachtanlage durch 
Feldjäger gebracht.

 

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Im Mai kam es zur ersten Arbeitsniederlegung auf Monopol und Haus Aden. 2000 streikende Bergleute besetzten in Bergkamen Kreuzungen und legten damit den gesamten Straßenverkehr lahm. Tausende protestierten vor dem Bergkamener Rathaus gegen die EG Forderungen nach Abbau der Kohlesubvention.

500 Ex- Monopoler besichtigten am 03.06.89 die Bergehalde < Großes Holz >, die sich zu einem Naher- holungsgebiet gewandelt hat.
Der diesjährige Seniorenausflug unserer Ortsgruppe führte in das Sauerland. Angeboten wurden Schiffsfahrten auf dem Bigge und Möhnesee, wo Kaffee und Kuchen gereicht wurden. Im August 1989 genehmigte das Bundesverfassungsgericht den Kohleabbau unter Schloss Cappenberg. Dies war ein weiterer Erfolg für uns Bergleute im Kampf um unsere Arbeitsplätze.
Hingegen sieht unser Ortsgruppenvorsitzender Heinz Weinberger keinen Grund zum jubeln bei der Einigung vom Bund und Land NRW, die vereinbarte Regelungen im Jahrhundertvertrag einzuhalten. Denn es fehlen trotzdem langfristige Perspektiven.
Der 100 jährige Geburtstag unserer Gewerkschaft wurde in Dortmund, auf dem Gelände der Westfalenhallen gefeiert. Geboten wurde eine historische Revue, eine Multimedien Schau, Klänge von der Waterkant zum Alpenrand und Arbeit vor Ort. An dieser Veranstaltung nahmen viele unserer Kollegen mit ihren Familien teil. Am 15.09.89 wurde unser Kollege Heinz Weinberger vom IGBE Vorsitzenden H.W. Meyer und viel Prominenz aus Kultur, Politik und Wirtschaft aus dem aktiven Arbeitsleben verabschiedet. Für ihn übernahm unser Ortsgruppenvorstandskollege Manfred Wiedemann den Vorsitz des Betriebsrates auf Monopol. Auf dem diesjährigen IGBE Kongress wurde unser Kollege Manfred Wiedemann mit dem besten Wahlergebnis ( 281 von 300 Delegiertenstimmen ) in den IGBE Hauptvorstand gewählt. Von der EG und dem Land NRW erhält die Stadt Kamen 900 000 DM. Für dieses Geld soll das Werksgelände von Alt Monopol bebaut werden.
Josef Windisch vom Hauptvorstand der IGBE erinnerte auf der Jubilarfeier 1989 daran, daß es die Bergleute es waren, die für das deutsche Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit, verantwortlich waren. 71 Jubilare wurden vom Ihm, Bürgermeister Werner Berg und Ortgruppenvorsitzenden Heinz Weinberger für 25/ 40/ 50 und 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Bei dem bunten Programm aus Artistik und Sketchen konnten sich alle von der Gesangskunst Heinz Weinbergers überzeugen.
Unser Kollege Heinz Dyduch erhielt, für seinen Kampf um die Erhaltung der Arbeitsplätze auf Monopol, am 21.12.89 das Bundesverdienstkreuz.
Auf der Jahreshauptversammlung am 03.03.1990 löste Manfred Wiedemann unseren Ortsgruppenvorsitzenden Heinz Weinberger ab. Heinz war 13 Jahre der Vorsitzende unserer Ortsgruppe.
" Ein Vorsitzender muss im aktiven Arbeitsleben stehen", damit begründete Heinz seinen Rücktritt. Zum geschäftsführenden Vorstand wurden die Kollegen M.Wiedemann , E. Hanel, H. Hanel, D. Hartig, P. Ott, A. Straube und W. Müller gewählt.
In seiner Antrittsrede berichtete M. Wiedemann, daß die Ausbildungsplätze auf Monopol, wegen der ungewissen Zukunft ( Teilzeit, Zechenschließungen ) nicht besetzt werden konnten. Außerdem stellte Manfred Wiedemann fest, daß der von Brüssel vorgegebene Abbau von 31 000 Arbeitsplätze in der deutschen Steinkohle und die damit verbundene Reduzierung der Kohleförderung von 15 Mio. Jahres/to, einigen Politikern immer noch nicht ausreicht.

 

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Die diesjährige Betriebsratswahl auf Monopol musste als Listenwahl durchgeführt werden. Grund dafür war, daß die DAG auch zur Wahl antrat.
Gegen die Kollegen der IGBE hatte die DAG aber keine Chance.
Prof. Mikat bekam vom Bund und dem Land den Auftrag, die Zukunftsaussichten der deutschen Steinkohle zu untersuchen. Von Prof. Mikat wurde eine Kommission aus Vertretern von Politik, Wissenschaft, Arbeitgebern und Arbeitnehmern benannt. Diese Kommission erhielt den Namen ihres Vorsitzenden, die < Mikat Kommission >.
Im Mai 1990 wird H.W. Meyer an die Spitze des DGB gewählt. Der ehemalige Kamener Berglehrling ist damit der zweite Bergmann an der Spitze des DGB.
Die diesjährige Maifeier fand, mit dem Festredner K. Matthiesen(NRW Umwelt-, Land- und Forstminister) in der Doppelturnhalle statt. Während dieser Maiveranstaltung gab es zum ersten Mal Polizeischutz auf der Maikundgebung für den Festredner. Grund der Angst war ein Attentat, Tage vor dieser Veranstaltung, auf den SPD Kanzlerkandidaten Oskar Lafointaine.
Ende des Jahres 1990 begann ein erbitterter Kampf um die Erhaltung der Bundesknappschaft. Am 18.12.90 gab es auf Monopol eine Arbeitsniederlegung von unseren Kollegen in der Schwarzkaue. Unter der Beteiligung unserer Kamener Ortsgruppe fand in Hamm, am 07.01.91, auf dem Bahnhofsvorplatz, eine Großkundgebung statt. Der massive Druck durch die IGBE hatte Erfolg, die Bundesknappschaft blieb uns erhalten.
Anfang Februar besuchte unser Kollege Hans- Joachim Rothenpieler mit einer Delegation die NUM in Südafrika. Sie wurden von der südafrikanischen Bergarbeitergewerkschaft eingeladen. An Ort und Stelle informierten Sie sich über die Lebens- und Arbeitsbedingungen ihrer südafrikanischen Kollegen. Im Frühjahr 1991 tauchten die ersten Gerüchte, um die Schließung von Monopol auf. Außerdem erhielt unser Ortsgruppenvorsitzender M. Wiedemann von einem Redakteur der heimischen Presse die Information, daß am folgenden Tage in der Presse von der Stilllegung Monopols berichtet wird. Damit begann ein langer und zäher Kampf um die Arbeitsplätze auf den Schachtanlagen im heimischen Raum.
Am 29.04.91 informierte unser Betriebsrat die Kollegen in der Schwarzkaue, über die Schließungspläne.
Die diesjährige Maikundgebung in Bergkamen, fand mit starker Beteiligung unserer Ortsgruppe statt. Am Anfang des Zuges war das Transparent aus dem erfolgreichen Kampf von 1974 < Monopol muss leben >. Getragen wurde es vom Schachtgewerkschaftsvorsitzenden Günter Stahlhut und seinem Sohn. Er trug es schon vor Jahren mit seinem Vater im Kampf um Alt Monopol. Im Anschluss an diese Veranstaltung fand ein Informationsgespräch im Kaffee Köhler statt. Teilnehmer waren der IGBE Vorsitzende H. Berger, Umweltminister K. Matthiesen und unsere Kollegen vom Betriebsrat Monopol. Kollege Berger sagte in diesem Gespräch: Er wäre bereit für den Erhalt des gesamten deutschen Steinkohlebergbaues sein Einverständnis für die Schließung einer Schachtanlage zu geben. Am 04.05.91 veranstaltete unsere Ortsgruppe eine Informationsveranstaltung, auf dem Kamener Markt. In einem Gespräch, das M. Wiedemann mit BWD Siepmann führte, wurde ihm mitgeteilt, daß Monopol Ende 1999 auslaufen sollte. Viele Kamener Kollegen beteiligten sich an einer Demo vor den Westfalenhallen. Grund war die Eröffnung des Gewerkschaftskongresses.

 

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Seit dem 15.05.91 begleiteten der Rundfunk, das Fernsehen und die Presse regelmäßig alle Aktivitäten rund um Monopol. Am 28.05.91 fuhr ein Bus mit Bergleuten zum SPD Parteitag nach Bremen  um auf ihre Schwierigkeiten aufmerksam zu machen. Am 12.06.91 fuhren wir mit 11 Bussen und 500 Wursttüten zur Großdemo zum Düsseldorfer Landtag. Irgendjemand kippte am 21.06.91 gegen 2.oo Uhr 5 Tonnen Koks vor dem Eingang des FDP Büro in Düsseldorf ab. Auf dem Kreuz, auf der Spitze des Kokshaufens, war der Name Möllemann zu lesen. Auch hier sollen gerüchteweise Kamener Kollegen beteiligt gewesen sein. Am 02.07.91 beteiligten sich viele Kollegen an einer Kundgebung auf dem Monopol Parkplatz mit dem SPD Vorsitzenden Jochen Vogel. Dort konnten die Kollegen das Versprechen von Jochen Vogel entgegennehmen, daß er sich im Geiste Herbert Wehners für Monopol einsetzen wird. Mit ökumenischen Gottesdiensten (auf der Bergehalde, auf dem Monopol Parkplatz), Barbaragottesdienst u.s.w. fanden wir die Unterstützung der Kirchen. Unstimmigkeiten löste unser Transparent < Monopol muss leben > nach einer ARD Livesendung auf Heinrich Robert aus. Die Hammer Kollegen waren der Meinung, man könnte nicht nur für Monopol kämpfen. Am 13.07.91 legten unsere Kollegen den gesamten Straßenverkehr der Dortmunder Innenstadt, mit einem Autokorso, lahm. In schlechter Erinnerung wird dem BWM Möllemann die Meisterfreisprechung am 14.07.91 in der Dortmunder Westfalenhalle bleibt. Zahlreiche Eier und Schmährufe trafen ihn, als er den Versuch machte, den Verlust der Arbeitsplätze zu rechtfertigen. Am 01.09.91 wird die ZW Königsborn 2/5 stillgelegt. Sie war der letzt aktive Betrieb der RAG in Kamen. Mit den insgesamt 380 Beschäftigten waren Sie Kamens größter Arbeitgeber. Unsere Kollegen von Monopol übten am 21.09.91, auf einer Betriebsversammlung, massiven Druck auf den IGBE Vorsitzenden H. Berger aus. Sie warfen ihm zu große Kompromissbereitschaft gegenüber Bundeswirtschaftsminister Möllemann vor. Er sei auch nicht bereit, für Monopol mit schwarzen Fahnen nach Bonn zu ziehen. Für die heimische Bevölkerung wurden 200 Busse eingesetzt, um in Dortmund mit den Bergleuten für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren. Redner aus allen Fraktionen kamen zu Wort. Kritik kam auf, als der FDP Abgeordnete Friedhof als letzter Redner unwidersprochen seine falschen Thesen unter das Volk streuen konnte. Trotz der großen Existenzängste führte unsere Ortsgruppe im Oktober ihre traditionelle Jubilarfeier durch. Es wurden 56 Jubilare für ihre Treue zur IGBE geehrt. Auf dieser Veranstaltung wehrte sich unser Kollege Manfred Wiedemann gegen den Vorwurf: < Die Bergleute seien die Subventionsempfänger und Nutznießer der Nation, die die Volkswirtschaft unnötig belasteten.> Er erwiederte, daß die Bergleute ein Leben lang hart für Ihren Lohn arbeiten müssten. Der stellv. Bezirksleiter Heinz Kulke forderte den Schulterschluss mit der Stahlindustrie, denn keiner könnte mehr für sich alleine kämpfen.

 

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Der DGB Vorsitzender H.-W. Meyer erklärte anlässlich einer Grubenfahrt auf Monopol am 11.10.91 < Er halte es für sinnvoller, die Bedingungen für den Kohleabsatz zu verbessern, als über Förderziffern zu diskutieren.> Auf unserer Mitgliederversammlung am 12.10.91 stellte Manfred Wiedemann fest, daß die Kohlevorräte auf Monopol weit bis in das nächste Jahrtausend reichen würden. Außerdem forderte er die Energiewirt- schaft und die Stahlindustrie auf weiterhin die deutsche Steinkohle einzusetzen und sich nicht dem Trend zur Importkohle hinzugeben. Als M. Wiedemann und Schachtgewerkschaftsvorsitzender Günter Stahlhut auf einer CDU Stadtverbandsversammlung am 14.10.91 über den aktuellen Stand der Kohlenkrise referierten, zeigte sich der CDU Stadtverband solidarisch und wollte alle Aktionen von uns unterstützen. Die Stimmung der Monopol- Belegschaft, die ein Durchschnittsalter von 31 Jahren hatte, war emotional geladen. Von dem Vertrauen der Bergleute der 60er und 70er Jahre in die Politik war nichts mehr übrig- geblieben Günter Stahlhut warf BWM Möllemann vor, wissentlich mit falschen Zahlen zu argumentieren. Am 15.10.91 stürmten unsere Kollegen von Haus Aden und Monopol das Kamener Arbeitsamt. < Tausende sind in unserer Region von Arbeitslosigkeit bedroht > oder < Nehmt unserem Papi nicht den Arbeitsplatz > Dieses stand auf den Transparenten der Kinder die unsere Aktion unterstützten und den Ostring sperrten. Arbeitsamtsleiter Klaas sagte den Bergleuten seine Unterstützung, im Falle der Arbeits- losigkeit zu. Die Emotionen wurden anlässlich eines Besuches vom BWM Möllemann, auf Haus Aden, angeheizt. Es wurde vor laufenden Kameras eine Strohpuppe mit der Aufschrift Möllemann verbrannt. Darauf warf Möllemann unserem Kollegen M. Wiedemann Panikmache vor. Am 30.10.91 sperrten Kumpel von Monopol und Haus Aden den Dattel- Hamm Kanal mit einem riesigen Drahtseil. Auf Spruchbändern war zu lesen < Blutkohle ist kein Ersatz für deutsche Steinkohle, Importkohle vernichtet deutsche Arbeitsplätze >. M. Wiedemann erklärte auf der Veranstaltung, es würden 11 Mio. t Steinkohle pro Jahr importiert. Dieses entspricht der Förderung von 6 Schachtanlagen. Geplant war ein kurzer symbolischer Protest. Doch der Wut und Empörung der Kumpel hatten Werksleitung und Gewerkschaft nichts entgegenzusetzen. Die Kumpel bauten ein Floß, hissten die IGBE Flagge und besetzten die Kanalmitte. Nach 7 Stunden gelang es der Wasserschutzpolizei das Drahtseil zu kappen. Pfiffe und Buhrufe ertönten als das erste Schiff die Spruchbänder zerriss. Das Floß fand später seinen Hafen im Industriemuseum. In Folge dieser Aktion erstattete die Staatsanwaltschaft Anzeigen wegen Nötigung gegeneinige unserer Kollegen. Mit Ihrem Lied < Wir wollen überleben > begrüßte die Fraueniniative zum Erhalt des gesamten deutschen Steinkohlebergbaues am 31.10.91 den BWM Möllemann in Bergkamen. Zahlreiche Geschäfte in Bergkamen hatten zu diesem Zeitpunkt, aus Solidarität, geschlossen. Für M. Wiedemann stand nach dem Gespräch fest, Möllemann hat Monopol abgeschrieben. Der SPD Abgeordnete M.d.B. U. Böhme schlug dem BWM Möllemann vor, er solle seine Rechnung noch einmal durchrechnen. Denn die für den "toten Bergbau" eingesparten Subventionen, würden die Ausgaben in der Sozialleistung um ein vielfaches überschreiten.

 

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Versorgt< von Geschäftsleuten, aus Bergkamen, mit Brötchen und Kaffee > wurden die Mahnwachen. Diese harrten trotz eisiger Kälte und Regen vor den Zechentoren mit schwarzen Fahnen und Transparenten aus. Doch am Montag dem 11.Nov. 1991 wurde in Bonn beschlossen bis 1999 weitere 30 000 Arbeitsplätze im deutschen Steinkohlebergbau abzubauen. Auch bei einer Zusammenlegung von Haus Aden und Monopol müssten mindestens 3000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Zechenverbund würde aber anderseits cirka 5200 Arbeitsplätze erhalten. Doch bei allen Kämpfen, um die Arbeitsplätze, vergaß unsere Ortsgruppe nicht ihren 12 Goldhochzeits- paaren, sowie ihren 2 Diamantenehochzeitspaaren und 17 Kollegen zum Geburtstag zu gratulieren. Zum Ausklang des Jahres 1991 veranstaltete unsere Ortsgruppe wieder das tradionelle Skattunier. Am Samstag dem 18.01.92 wurde unser Kollege Wolfgang Bloss nach 35 Jahren ehrenamtlicher Tätig- keit als Hauskassierer unserer Ortsgruppe, auf der Jahreshauptversammlung, verabschiedet. Einigkeit während dieser Versammlung bestand nach der Forderung die Beheizung des Monopol- Parks auf Kohlebasis zu unterstützen. Positiv sieht Manfred Wiedemann das Einbringen von Filterstaub aus Müllverbrennungsanlagen auf Monopol. Es muss aber darauf geachtet werden, daß alle Sicherheitsvorkehrungen realisiert und eingehalten werden. Der Tanz in den Mai wird von unserer Ortsgruppe durchgeführt. Der Landesminister für Arbeit und Soziales Hermann Heinemann hielt die Festrede am 1. Mai und eröffnet in der neuen Stadthalle die Ausstellung zwischen Pütt und Negerdorf. Mit Getränken und Erbsensuppe wurden die Teilnehmer von unserer Ortsgruppe versorgt. Den weitesten Weg zu einer Demo unternahmen unsere Kollegen am 05.06.92. Sie fuhren mit dem Zug nach Leipzig um dort ihre Kollegen im Kampf um ihre Arbeitsplätze zu unterstützen. Am 13.06.92 trafen sich in der Kamener Stadthalle 400 Funktionäre aus dem Bezirk Ruhr Ost und disku- tierten über die Fusion zwischen IGBE und IG Chemie. Diese soll bis 1997 vollzogen sein. Eine weitere Demonstration wurde am 01.07.92 auf dem Bahnhofsvorplatz in Hamm durchgeführt. Sie richtete sich gegen den geplanten Sozialabbau der Bundesregierung. Auf dem Kamener Markt errichtete unsere Ortsgruppe, aus diesem Grunde, einen Info- Stand und infor- mierte über die Reform des Gesundheitswesens. Aufweichung der Tarifverträge, Kürzungen bei Umschul- ungen und Fortbildungsmaßnahmen, sowie die Diskussion zur Einführung von Karenztagen waren im Gespräch. Im August 1992 ziehen erneut dunkle Wolken für uns Bergleute aus Brüssel heran. Die RAG, ohnehin in finanziellen Schwierigkeiten, soll nach dem Willen der Bürokraten aus Brüssel einen weiteren Abbau der staatlichen Subventionen hinnehmen. Dies wäre das Ende des deutschen Steinkohlenbergbaues. Die Monopoler schlossen Aktionen gegen die Beschlüsse aus Bonn nicht aus, wenn ihre Existenz gefährdet ist. In Duisburg beteiligen sich unsere Kollegen am 16.09.92 an einer Demo des DGBs, zum Thema Sozialabbau.

 

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Mit der AfA und dem DGB zusammen, veranstaltete unsere Ortsgruppe wieder einen Info- Stand auf dem Kamener Markt. Thema war auch hier der geplante Sozialabbau der Bundesregierung. Der ehemalige Landesarbeitsminister Hermann Heinemann und Kamens Bürgermeister M. Erdtmann übernahmen die Ehrung der Jubilare, während der diesjährigen Jubilarfeier. In seiner Festrede, auf der diesjährigen Jubilarfeier, prangerte Minister Hermann Heinemann den arbeitnehmerfeindlichen Kurs der Bonner Regierungskoalition an. Dieser Kurs könnte einen sozialpoliti-schen Flächenbrand entzünden. Er verurteilte die Anschläge auf Ausländer und forderte die Täter wie Terroristen zu bestrafen. Im November 92 forderte der Vorsitzende des Gesamtverbandes des deutschen Steinkohlebergbaues Heinz Horn, wegen des akuten Absatzmangels, 40 000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2000 abzubauen. Der Verbund Haus Aden/Monopol soll schon bis zum 01.01.94 vollzogen sein. Dabei soll die Tagesförderung um 1800 t gesenkt werden. Am 09.11.92 beteiligten sich unsere Kollegen, aufgeschreckt durch die Attentate auf ausländische Mit- bürger, an einer Großveranstaltung in Kamen. Am 25.11.92 schlägt die EG- Kommission in Brüssel ein Konzept zur Verringerung der Kohlesubvention vor. Zahlreiche Schachtanlagen in Deutschland sind danach zur Stilllegung gezwungen. Der Aufsichtsrat beschließt für 1993 12 Feierschichten und den Abbau von 4000 Arbeitsplätzen. Zum ersten Mal fand das Skattunier unsere Ortsgruppe in der Kamener Stadthalle statt. 78 Spieler spielten in zwei Serien zu je 48 Spielen um Pokale und Weihnachtsbraten. Den Azubis wurde im Januar 1993 die Hiobsbotschaft, daß sie am Ende der Ausbildung keine Arbeitsver- trag bekommen, unterbreitet. Am 30. Januar 1993 findet die Jahreshauptversammlung unserer Ortsgruppe in der Kamener Stadthalle statt. Manfred Wiedemann stellt fest, daß 1900 Mitglieder zuzüglich ihrer Familien eine große politische Macht darstellen. Diese Macht gelte es zum Wohle der heimischen Steinkohle einzusetzen. Dieses gelte auch bei der Frage nach der Beheizung des Monopolgeländes. Der stellv. IGBE Bezirksleiter Willi Hilger übte scharfe Kritik an dem sogenannten Solidarpakt, der diesen Name nicht verdiene. Dies wäre nun die Stunde der Opposition. Doch diese sei wohl im Augenblick so sehr mit persönlichen Spielereien beschäftigt, wofür wir Bergleute überhaupt kein Verständnis aufbringen können. Am 10. und 11.02.1993 findet in Straßburg die ZAK ( Zukunfts Aktion Kohlegebiete )- Sitzung statt. An ihr beteiligten sich die Bürgermeister M. Erdtmann und W. Kerak , sowie unser Ortgruppenvorsitzender M. Wiedemann. M. Erdtmann fand in einer Rede viel Beifall als er forderte, die EG solle nicht nur für Bananen Schutzzölle, sondern diese auch für Importkohle, einführen. Überrascht wurden sie dort, wie unsere Kollegen zu Hause, von einer DPA Meldung in der von einer Stilllegung des Verbundbergwerkes Haus Aden/Monopl berichtet wurde. Hans Berger sagte, > weitere Stillegungsmaßnahmen wird es mit uns zurzeit nicht geben < Die Stimmung steht trotz der Frustration auf Kampf. 30 000 Stahlkocher und Bergleute blockieren am 17.02 93 die B1 mit Stahlseilen und Fackeln in dieser Nacht der 1000 Feuer. 5 000 Bergleute zogen am 22.02.93 vor das Rathaus und machten ihrem Ärger mit einer Demo Luft.

 

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Am 23.02.93 um 7 oo Uhr trafen sich unsere Kollegen zur ersten gemeinsamen Vertrauensleutekonferenz in der Kamener Stadthalle. Außer den Vertrauensleuten waren Hans Berger, Klaus Matthiesen, Ulrich Böhme, Dieter Wiefelspütz, Wolfram Kuschke und die Bürgermeister- Stadtdirektoren- Fraktionsvorsitzenden von Kamen und Bergkamen zugegen. Betriebsräte, Gewerkschaftler und alle politischen und gesellschaftlichen Gruppen kennen nur noch ein Thema: wie kann die Stilllegung verhindert werden. 500 Mandatsträger aus dem Kreis Unna legten ein Bekenntnis zur deutschen Steinkohle ab. NRW Arbeitsminister Franz Münthefering bekannte sich auf dieser Veranstaltung für den Erhalt des Verbundbergwerkes. Bei einer Betriebsversammlung am 06.03.93 in der Aufbereitungshalle von Monopol vor 6 000 Bergleuten bezeichnet Dr. Heiermann , vom RAG Vorstand, die Situation der RAG als so dramatisch wie nie zuvor. Eine klare Aussage über die Zukunft von Haus Aden/Monopl gab der Vorstand nicht. NRW Wirtschaftsminister Klaus Matthiesen wurde mit begeistertem Applaus für seinen Einsatz zum Erhalt des Bergwerkes belohnt. Vor den Toren der Schachtanlage Haus Aden/Monopol zogen in der Nacht zum 09.03.93 Mahnwachen auf. Ihre Feuer sollten Tag und Nacht brennen, bis die Arbeitsplätze der Region gesichert sind. Mit Fackelläufen wurde das Feuer von Haus Aden/Monopol zu den anderen Zechen des Ruhrgebietes gebracht. 33 Wochen lang standen unsere Kollegen Tag und Nacht bei Wind und Wetter am Mahnfeuer von Monopol. Kinder unserer Kollegen malten auf Bildern ihre Ängste vom Zechensterben. Während eines Bittgottesdiensten vor 1000 Bergleuten sagte Pfarre Gluche: > Wer so handelt macht sich schuldig vor Gott< Mut machte Hans- Jochen Vogel und NRW Landesminister Kniola den bangenden Bergleuten bei einem Besuch der Mahnwache. Der Schriftsteller Max von der Grün zeigte sich mit einer Buchlesung ebenfalls solidarisch mit uns Bergleuten, als er aus seinen Schriften am Mahnfeuer las. Der Maler Alfred Schmidt zeigte am Mahnfeuer eine Ausstellung seiner Werke unter dem Motto < Kultur kämpft mit.> Unser Ortsgruppenvorsitzender Manfred Wiedemann rief immer wieder dazu auf, gemeinsam um das Überleben des deutschen Steinkohlenbergbaues zu kämpfen. In 15 Tagesetappen wurde eine Kohlelore aus dem Ruhrgebiet nach Berlin vor das Rote Rathaus gebracht. Im April wurde Bruno Achtabowski nach 35 jähriger Tätigkeit als Hauskassierer vom Vorstand verabschiedet. Nebenher gab es immer wider Informationsstände von unseren Kollegen in Kamen am Markt, um die Bevölkerung über die aktuelle Situation aufzuklären. Besuch an den Feuern der Mahnwachen kam nicht nur von den Politikern aller Couleur, auch die Prominenz von Borussia Dortmund zeigte sich mit uns Bergleuten solidarisch. Besonders erfreut zeigten sich die Kollegen über die 100 Freikarten von Otmar Hitzfeld.

 

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Zu kilometerlangen Staus kam es, als 400 Fahrzeuge von Monopol, in Bergkamen, starteten und über Kamen nach Lünen zu Westfalia Becorit fuhren. Während einer anschließenden Kundgebung auf dem Parkplatz von Westfalia Becorit sagte unser Kollege M. Wiedemann: < Wir lassen uns nicht wie die Lämmer zur Schlachtbank führen > Der stellv. IGBE Bezirksleiter Willi Hilger: < Vor 897 Tagen wurden die Vereinbarungen in der Kohlerunde getroffen, eingelöst ist bis heute nichts. Wenn Bonn nicht endlich handelt, stirbt das Ruhrgebiet und damit das industrielle Herz Europas.> Am 18.04.93 fand die erste gemeinsame Ortsgruppenversammlung von Kamen, Bergkamen, Weddinghofen, Heeren- Werve, Methler, Werne, Herbern, Rünthe sowie der Monopol Angestelltenortsgruppe statt. Der Bezirksleiter der IGBE Heinz Kulcke warf der RAG vor, die Öffentlichkeit und die Gewerkschaft mit falschen Zahlen gefütter zu haben. < Dies können wir auch beweisen > so Kulcke. Es gibt mehrere Möglichkeiten Schließungen von Schachtanlagen zu verhindern. Eine ist die vier Tage Woche. 100 000 Kollegen demonstrieren am 29.04.93 in Bochum für den Erhalt des deutschen Steinkohlenbergbaues. Mit 1100 Bussen und zahlreichen Sonderzügen reisten die Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet an. 260 Busse, angeführt von einer Motorradeskorte machten sich aus dem Kamener Raum auf den Weg nach Bochum. Mit Pfiffen und Protestrufen wurde Bundeswirtschaftsminister Rexrodt empfangen. Seine Rede wurde immer durch lautstarke < Lügner > Rufe unterbrochen. Bei allen Aktionen waren unsere Ortsgruppenkollegen immer in den ersten Reihen zu sehen. Die Sitzplätze für den Tanz in den Mai in der Stadthalle reichten zum großen Bedauern des Ortsgruppenvorstandes nicht aus. Ca. 150 Kollegen konnte der Einlass nicht gewehrt werden. Die SPD Landtagsfraktion mit 9 Ministern tagten vor Ort in Bergkamen und nutzte die Gelegenheit sich am Mahnfeuer über die Angst der 8500 Mitarbeiter von Haus Aden/ Monopol zu informieren. Nach dem fünffachen Mord an türkischen Einwohnern und den anschließenden Demonstrationen musste unser Ortsgruppenvorstand zum ersten Mal in der eigenen Geschichte einen Seniorenausflug absagt. Anfang September 1993 verunsichern Pressemitteilungen über einen Zusammenschluss von Heinrich- Robert und Haus Aden/Monopol erneut die Mitarbeiter beider Schachtanlagen. 800 Mio. DM fehlen der RAG für die Aufschließung des Donarfeldes auf Heinrich- Robert. Für eine Verbindung zu den Monopol- feldern müsste nur eine 1 Kilometer Strecke aufgefahren werden. Ein Verbund wäre für Bergkamen eine Standortsicherung, anderseits müssten für den Verbund 3800 Arbeitsplätze geopfert werden. Unser Kollege Bernd Kockerbeck machte in der Fernsehsendung " Verstehen Sie Spaß" , mit der zum Leben erweckten Bergmannspuppe der Mahnwache von Monopol einem Millionenpublikum klar, warum 8500 Kumpel um Ihre Existenz fürchten. Ein riesiges Polizeiaufkommen erschien, als ein Protestzug von Bergleuten vom alten Monopolgelände über die Lüner Straße zum Willy- Brandt- Platz zog und damit den gesamten Straßenverkehr zum Erliegen brachte. Auf den Transparenten stand unter anderem " Stoppt die Brandstifter in Bonn" " Es ist Fünf vor Zwölf" oder "Wir haben die Schnauze voll". Die Bevölkerung zeigte dabei viel Solidarität mit den Demonstranten. Kollege M. Wiedemann sagte, solange der Deckel nicht auf dem Schacht ist, kämpfen wir.

 

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Am 20. September gab der Pressedienst der RAG, den Vorschlag des Aufsichtsrates bekannt, wonach Monopol zum 1.1.94 stillgelegt und eine Teilstillegung von Heinrich Robert ebenfalls zum 1.1.94 erfolgen sollte. Viel Hoffung hatten die Mitglieder des Bürgerkomitees bei ihrem Fackelzug zur Bergehalde nicht mehr, als Sie unter dem Motto < Kreuzigt nicht unsere Hoffnung auf Arbeitsplätze > ein brennendes Kreuz aus Fackeln auf der Spitze der Bergehalde zusammenstellten. Am 21.09.93 wurde Monopol von Kumpeln Über.- und Untertage besetzt. Gleichzeitig besetzen Bergleute viele Kreuzungen. Hundertschaften der Polizei standen an allen Ausfallstraßen und weitere standen in Alarmbereitschaft. Wurde eine der von den Kumpels gesperrten Kreuzungen geräumt, zogen die Kumpel los und sperrten die Nächste. Als der eilig angereiste RAG Vorstand Dr. Utsch Stillegungsabsichten von Monopol demen- tierte , fühlten sich die Bergleute total verschaukelt. Sie ließen sich in ihrer Wut nur mühsam von einem Marsch nach Bonn ( um den Kanzler aus seinem Amt zu jagen ) zurückhalten. Ob IGBE Bezirksleitung oder Betriebsräte, alle die zur Besonnenheit aufriefen mussten sich Buhrufe und Pfiffe anhören. Die Aktionen von Monopol lösten im ganzen Revier einen Flächenbrand aus. Bis zum Rheinland wurden von den Bergleuten Kreuzungen gesperrt und die Arbeit niedergelegt. Immer wieder mussten besonnene Betriebsräte die aufgebrachten Kumpel, mit Unterstützung der Polizei, von der Blockade der Autobahnen abhalten. Aus dem gesamten Revier kamen Abordnungen zur Unterstützung. Die Belegschaften von Opel, Hoesch und der Chemie übermittelten ihre Solidarität. Bürger spendeten belegte Brötchen, das THW kochte Erbsensuppe, alle Kirchenglocken läuteten, M. Wiedemann und P. Blaszyk schrieben einen Warnbrief an den Bundeskanzler Kohl. In diesem Brief schilderten sie die dramatische Situation und forderten endlich ein klärendes Wort und die Zusage, daß an den Verträgen vom 11.11.91 nichts verändert würde. Kamens Bürgermeister M. Erdtmann zeigte sich entsetzt von den Plänen des RAG Vorstandes. Bundeswirtschaftsminister Rexrodt weigerte sich, dem Vorschlag der ARD nachzukommen, im Fernsehen mit Monopol Kumpel zu diskutieren. < Erst müsste er sein Nachdenken über die Kohlerunde- Vereinbarung beenden >. IGBE Vorsitzender H. Berger und Jochen Vogel stellen sich hinter die Monopol Belegschaft. Solidarität kam auch von der CDU in Kamen. Die Ortsgruppen von Kamen, Bergkamen, Kaiserau, Werne, Rünthe, Weddinghofen, Herbern, Heeren - Werve sowie die Angestellten von Monopol trafen sich in der Kamener Stadthalle zur gemeinsamen Mitgliederversammlung. Bezirksleiter Heinz Kulcke berichtete vom Gewerkschaftskongress in Chemnitz. Die beschlossene Beitragsangleichung der Rentner von 0,4% der Rentenversicherung führt zu Austritten von einigen Kollegen, für die das Wort Solidarität in schweren Zeiten, ein Fremdwort ist. Anders bei der SPD Konferenz 2000 in Dortmund. Rudolf Scharping, Vorsitzender der SPD und deren Kanzlerkandidat, ließ die angereisten Kumpel nicht im Regen stehen. Sie wurden in die Halle gebeten und erhielten das Versprechen einen Mitstreiter für ihre gerechte Sache gefunden zu haben. Am 27. September wurden auf Monopol die schwarzen Fahnen vom Förderturm geholt und durch Rote ersetzt. Damit zeigen wir, so Manfred Wiedemann, wir sind kampfbereit. Viele Tausende standen an diesem kalten Morgen um 6.oo Uhr auf dem Monopolgelände um von IGBE Vorsitzenden Hans Berger und Jochen Vogel Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Die Kumpel versprachen der Regierung einen heißen Herbst, wenn sie ihre Zusagen nicht einhielten. Prominente aus der gesamten Republik, aus allen Parteien und Organisationen versprachen Hilfe und Solidarität, nur die Leute von der Regierungsbank hielten sich bedeckt.

 

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Willi Hilger, stellv. Bezirksleiter der IGBE forderte, auf der Jubilarfeier unserer Ortsgruppe alle auf, zur Rettung des Reviers beizutragen. Ohne Stahl und Kohle könne Nordrhein- Westfalen nicht bestehen. Aus diesem Grund wurde zwischen den Arbeitern von Krupp Hoesch AG und Haus Aden/Monopol ein Solidaritätsvertrag geschlossen. Ziel ist der gemeinsame Kampf um die Arbeitsplätze. Eine 20 köpfige Delegation von Betriebsräten und Bergleuten nahm an der Kohledebatte im Landtag in Düsseldorf teil. Breite Unterstützung fanden sie bei SPD und CDU. Es war ein starkes Signal nach Bonn. Vor dem Hamburger Rathaus bauten unsere Kollegen von Haus Aden/Monopol mit Hilfe der IGBE eine 25 Meter lange Strecke auf. In dieser Strecke war eine Bilderausstellung von Tera Homme über Kinderarbeit in Kolumbien und die Umweltzerstörung, durch den Steinkohletagebau, in Australien zu sehen Damit 2wollte man der Bevölkerung demonstrieren, warum die deutsche Kohle teurer ist als die Importkohle. Hamburg wurde als Ort gewählt, weil der Hamburger Hafen der größte Steinkohleimportplatz in Deutschland ist. Ob in Kiel, auf großen Flughäfen oder in Bayern, überall im Land informierten unsere Kollegen die Bevölkerung. Aus der Kamener Stadthalle strahlte das WDR Fernsehen eine Live Sendung über das Zechensterben im Revier aus. Mit 50 Bussen fuhren unsere Kollegen am 19.10. aus Kamen und Bergkamen zur Großdemo nach Hamm um den Kahlschlag im Revier zu verhindern. Für eine Überraschung sorgten Kumpel vom Niederrhein, als sie mit 200 Mann in den frühen Morgenstunden des 14.Oktober das Kraftwerk Heil besetzen. Diese Besetzung richtete sich gegen den Einsatz von über 50 % Importkohle des Kraftwerkes. Rund 500 Kumpel von Haus Aden/Monopol kamen sofort nach der Nachricht dieser Aktion, zur Unterstützung zum Kraftwerk. Als erster prominenter Politiker kam der Arbeits.- und Sozialminister von NRW Franz Müntefering einen Tag nach der Aktion zu den Besetzern um ihnen Mut zu machen. Aus den USA schickte Hans Berger ein Telegramm, in dem er mitteilte, daß die IGBE voll hinter den Kumpeln am Kraftwerk steht. Zeitgleich gab Bundeswirtschaftsminister Rexrodt (FDP) bekannt, in den nächsten Jahren müssten weitere 40000 Arbeitsplätze im deutschen Steinkohlenbergbau wegfallen. Nach 4 Tagen wurde die Besetzung des Kraftwerkes abgebrochen. Von der Staatsanwaltschaft wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Nötigung, gegen einige unserer Kollegen, in Gang gesetzt. Mit der vier Tage Woche möchte die Gewerkschaft den Abbau von Arbeitsplätzen verhindern. Die Stimmung auf dem Pütt ist gereizt. Am Montag dem 08. November eröffnete Bürgermeister Erdtmann in der Stadthalle Kamen eine Ausstellung die zeigte, unter welchen schrecklichen Arbeitsbedingungen Importkohle (es war die Ausstel-lung die auch in Hamburg gezeigt wurde) gefördert wird. Am 11.11. besetzen 180 Kumpel das Studio des Lokaklsenders Unna. Für 15 Minuten pro Stunde wurde die Ausfahrt des Ringtunnels blockiert. Dies ist das Signal für die Kollegen anderer Schachtanlagen. Auch hier beginnen nun die Protestaktionen. Unsere Kollegen von Haus Aden/Monopol sperrten die meisten regionalen wichtigen Kreuzungen und den Kanal. Die Kollegen wechselten sich ständig bei den Sperrungen ab. Am Abend erschien Hans Berger bei der Kreuzungssperrung der Hochstraße und sprach zu unseren Kollegen. Kollegen fuhren mit einem LKW, der mit deutscher Kohle beladen war, nach Hamburg.

 

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Dort wurde diese vor der Tür zum Büro der Kohleimpoteure gekippt. Sie wurde mit Ersatzblut und mit einem Schild Blutkohle dekoriert. Bei den Kreuzungssperrungen kam es zu Zwischenfällen, bei denen es auch Verletzte gab. Es gab Autofahrer die unbeherrscht in die Sperrungen hineinfuhren. Da die Streikfront im Rheinland zusammenbrach beschloss unser Bezirksleiter Heinz Kulcke in den Morgenstunden des 12.11. die Aktionen abzubrechen. Unsere Kollegen waren nur schwer zu beruhigen, weil sie genau wie die Funktionäre schwer enttäuscht über den Ausgang der Aktion waren. Nun wurde eine Betriebsversammlung in der Schwarzkaue einberufen. Hier gaben Manfred Wiedemann, G. Stahlhut und Dr. Utsch Erklärungen ab. Um 9.oo Uhr nahmen die Kollegen die Arbeit wieder auf. Bei unseren Kollegen zeigt sich eine große Niedergeschlagenheit, die sich in vielen Austritten aus der Gewerkschaft Luft machte. Nach Gesprächen mit den ausgetretenen Kollegen, konnte man sie nach und nach wieder für die Gewerkschaftsarbeit zurückgewinnen. Dies war die Antwort unsere Kollegen auf die Forderung von Bundeswirtschaftsminister Rexrodt nach weiterem Personalabbau im deutschen Steinkohlenbergbau. Am 4. Dezember, dem Barbaratag, erhielt die Stadt Kamen ein neues Wahrzeichen. Im Verkehrskreisel der Nordstraße wurde, unter großer Begeisterung, ein 18 Tonnen schweres Ausbauschild aufgestellt. Dieses stammte aus dem Ausbau des Mausegatt Strebes, aus einer Teufe von 1400 m. Am gleichen Tag wurden auf dem Edelkirchhof zwei bemalte Förderwagen aufgestellt. Die Kinder wurden von der Ortsgruppe mit Stutenkerlen und Süßigkeiten beschenkt. Der Erlös von 2200 DM aus dem Verkauf von Wurst, Glühwein und Bier, bei diesem Volksfest ging als Spende an die Behindertenwerkstatt des Pertheswerkes. Dieses Volksfest wurde zusammen mit den Knappenvereinen in unserer Stadt geplant und durchgeführt. Am 14. Dezember beschloss der RAG Aufsichtsrat die Stilllegung des Übertagebetriebes auf Monopol zum 01.01.94. Nach diesem aufregenden Jahr, für uns Bergleute, fand unsere Ortsgruppe noch die Zeit ihr tradionelle Skat- und Knobeltunier in der Stadthalle durchzuführen. Um Entlassungen im deutschen Steinkohlenbergbau zu verhindern, einigten sich die Tarifpartner in dem Tarifvertrag auf 6 % weniger Lohn. Für diese Lohnkürzung bekamen die Bergleute 30 zusätzliche Frei- schichten. Dieser Tarifvertrag wurde auf zwei Jahre befristet. Am 31. Dezember 1993 werden die letzten Kohlen aus den Monopolschächten gefördert. Die auf Monopol abgebaute Kohle wird nun auf Haus Aden gefördert. Am 15.01.94 fand die diesjährige Jahreshauptversammlung der Ortsgruppe in der Stadthalle statt. Manfred Wiedemann dankte allen Mitgliedern für ihre Solidarität bei dem Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze im heimischen Steinkohlenbergbau. Bei den Sozialwahlen wurden alle vorgeschlagenen Kandidaten gewählt. Bei dieser Jahreshauptversammlung fand die letzte Wahl des Vorstandes, vor der Fusion mit der IG Chemie und der IG Leder statt. Der Vorstand besteht nun aus dem 1. Vorsitzenden M. Wiedemann, seinem Stellvertreter W. Müller, dem 1. Kassierer H. Hanel, dem 2. Kassierer D. Hartig, dem Bildungsobmann P. Ott, dem 2. Bildungsobmann Lothar Weber, dem 1. Schriftführer Achim Straube, dem 2. Schriftführer Bernd Kockerbeck und dem Jugendleiter Frank Grützner. Zu Beisitzern wurden H. Weinberger, H.-J. Rothenpieler, K.H. Bronheim, F. Schwarz, B. Achtabowski, H. Henning, R. Müller. H. Kampmann, J. Zimmer und E. Hanel gewählt. Die nächste Wahl findet 1998 unter anderen Vorzeichen statt.

 

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Am 21. Januar findet in der Kamener Stadthalle der diesjährige Neujahresempfang des IGBE Bezirkes Ruhr- Ost statt. Festredner war der SPD Bundesgeschäftsführer Günter Verheugen. Er versprach den Bergleuten nach dem Machtwechsel in Bonn, würde die SPD die Zusagen aus der Kohlerunde 91 einhalten, sowie den planvollen Ausstieg aus der Kernenergie. Heinz Kulcke forderte " Lasst die Menschen nicht im Stich und handelt schnell". Am 04.Februar 1994 lehnte der Bundesrat das Artikelgesetz zur Steinkohlenverstromung ab. Die Bergleute von Haus Aden/Monopol reagierten sofort wieder mit Kampfbereitschaft. Auf Grillo 4 wird in den Gebäuden der Waschkaue nun Eis und Popcorn produziert, wo sich früher Kumpel ihre, von Kohlenstaub geschwärzten Körper gewaschen haben. Im März wurde auch der Kohleabbau auf Grimberg 3/4, im Volksmund Kuckuck genannt, eingestellt. Auf dem Zechengelände von Alt Monopol wurde der 1. Spatenstich für einen Wohnpark getan.200 Mio DM werden dafür investiert. In dem Gewerbe- und Technologiepark wird, außer dem Schachtgerüst von Grillo 1, bald nichts mehr an die Glanzzeit der Schachtanlage erinnern. Nachdem im vergangenen Jahr gerade einmal 19 Auszubildungsplätze auf der Schachtanlage Haus Aden/ Monopol besetzt werden konnten, fanden im Jahre 94 wieder 38 junge Menschen einen Ausbildungsplatz hier. Für 60 Jahre treue Mitgliedschaft in der IGBE ehrte der Bürgermeister M. Erdtmann und unser Ortsgruppenvorsitzender M. Wiedemann in einer kleinen Jubilarfeier 6 Jubilare. Ein voller Erfolg war der Tanz in den Mai, der wieder von unserer Ortsgruppe ausgerichtet wurde. Groß war die Beteiligung durch die Innenstadt Kamens am 1. Mai- Umzug zur Stadthalle. Die Festrednerin Magdalene Hoff, Europaparlamentarierin der SPD, war empört, daß in der Bundesrepublik 116 Milliarden DM zur Finanzierung der Arbeitslosigkeit ausgegeben werden müssen. Oberstes Ziel sollte es sein Arbeitsplätze zu schaffen und nicht zu vernichten. Am 06. Mai gab es wieder eine kleine Jubilarfeier unserer Ortsgruppe. Bruno Adamitzki gehört der Gewerkschaft 75 Jahre an. Seit 65 Jahren ist Friedrich Bähner Mitglied. 60 Jahre gehören Wilhelm Puderbach und Wilhelm Drewes dazu. Am Montag den 09.Mai erreichte uns die traurige Nachricht vom Tode des DGB Vorsitzenden H.W.Meyer. Die Ausbildung zum Bergmann absolvierte er auf Monopol, von hier ging sein gewerkschaftliches Engament aus. Sein Name wird untrennbar mit dem Einsatz und Strukturwandel in dieser Region verbunden bleiben. Der Ausflug der Senioren, mit ihren Frauen, fand am 01. Juni in das Dorf Münsterland nach Metelen statt. Nach den Besuch des Vogelparks, einem reichhaltigen Mittagessen gab es eine Modenschau mit anschließendem Abendessen. Nach dem Abendessen wurde das Tanzbein geschwungen. Auf der Bezirksdelegierten- Konferenz in der Kamener Stadthalle referierte der 2. Vorsitzende der IGBE Fritz Kollorz über die finanziellen Auswirkungen des Rentenreformgesetzes. Unser Ortsgruppenvorsitzende Manfred Wiedemann wurde in den Bezirksvorstand gewählt. Eine weitere kleine Jubilarfeier richtete unsere Ortsgruppe für Wilhelm Henschel und Oskar Leukert ( beide 65 Jahre Mitgliedschaft ) sowie Walter Lehmer ( lange Jahre Hauskassierer und Vorstandsmitglied ), Wilhelm Westervoss und Paul Buchmann ( 60 Jahre Mitgliedschaft ) aus. Die Ehrungen übernahmen der Bürgermeister M. Erdtmann, Ortsvorsteher Karl- Heinz Standfuß und Ortsgruppenvorsitzender Manfred Wiedemann. Am 12. September kam der SPD Kanzlerkandidat Rudolf Scharping zur Schachtanlage Haus Aden/ Monopol. In seiner Rede sagte er vor 2000 Bergleuten: " Das Land ist aufgebaut worden mit Kohle und Stahl und die Menschen haben Solidarität gegeben. Jetzt ist das Land verpflichtet, den Revieren Solidarität zu geben."

 

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Hubert Hüpe warf dem Betriebsratsvorsitzenden Manfred Wiedemann vor, er würde mit seiner Wahlaussage zu Gunsten der SPD dem Bergbau schweren Schaden zufügen. Am 24.09.94 gab es erneut eine gemeinsame Mitgliederversammlung der IGBE Ortsgruppen Kamen, Bergkamen, Kaiserau, Herbern, Rünthe, Werne, STEAG und Angestellte von Haus Aden/Monopol. Außer dem Satzungsentwurf der neuen IGBCE referierte Bezirksleiter Heinz Kulcke über die Zukunftsaussichten des deutschen Bergbaus. Auf der großen Jubilarfeier in der Kamener Stadthalle konnte der Umweltminister von NRW Klaus Matt- hiesen 57 Jubilare für 25,40,50,60 und sogar für 75 Jahre Treue zur Gewerkschaft ehren. Bürgermeister M. Erdtmann, selbst ehemaliger Steiger und Mitglied der IGBE beklagte den Verlust der Bergbauarbeitsplätze im heimischen Raum. Einen ausführlichen Bericht vom 21 Gewerkschaftstag in Dortmund gab Heinz Kulcke bei der Mitgliederversammlung am 22.10.94 in der Stadthalle. Am 04.12.94 feierte unsere Ortsgruppe auf dem Kamener Weihnachtsmarkt das Barbarafest. Beteiligt waren auch die beiden Knappenvereine, die Jugend des DRK sowie die Werkskapelle der Ruhrkohle. Der Erlös aus dem Verkauf von Glühwein, Grillwürstchen, Pils und anderen Getränken wurde dem Kindergarten Pusteblume gespendet. Am 07.Dezember entschied das Bundesverfassungsgericht, daß der Kohlepfennig ab 1996 nicht mehr gezahlt werden darf. Der Weihnachtsskat unserer Ortsgruppe fand nicht nur Spieler aus Kamen, sondern auch Männer und Frauen aus Bergkamen, Dortmund, Unna, Werl, Lünen, Soest und sogar aus Hagen kamen, um einen der wertvollen Preise zu gewinnen. Am 04.Januar 95 erhielten die Bürgermeister aus Kamen und Bergkamen eine Antwort auf Ihren offenen Brief an den Bundeskanzler. Er antwortete ebenfalls mit einem offenen Brief. In diesem stand: Ich habe wahrscheinlich keinen Nachholbedarf in Sachen Engagement für den deutschen Steinkohlenbergbau. Die deutsche Steinkohle wird auch weiterhin ihren festen Platz bei der heimischen Energieversorgung haben. Die finanziellen Möglichkeiten müssen aber beachtet werden." Eine Sympathiewelle erlebte Ministerpräsident Johannes Rau beim Neujahresempfang des IGBE Bezirks Ruhr- Ost in der Kamener Stadthalle. Vor 700 Vertretern der Gewerkschaft und des öffentlichen Lebens versprach Rau " Treue zur deutschen Steinkohle und zum Bergbau." Hintergrund war eine Äußerung von Bundeswirtschaftsminister Rexrodt (FDP), in dieser hatte er angekündigt nicht mehr vorbehaltlos zu dem Artikelgesetz von 1994 zu stehen. Dazu Johannes Rau " Wer Versprechen nicht einhält, gehört abgewählt." Auf der Mitgliederversammlung unserer Ortsgruppe am 21.01.95 beschlossen wir, daß wir uns verstärkt an Protesten gegen geplante Kürzungen zu beteiligen. Unser Ortsgruppenvorsitzende Manfred Wiedemann wehrte sich gegen Schlagworte wie " Bergleute sind die Kostgänger der Nation" oder " Bittsteller". " Wer so redet vergisst, daß die Kohle mehr ist als ein unbezahlbarer Sicherheitsfaktor für unser Land." An anderer Stelle sagte unser Kollege M. Wiedemann:" So wie wir eine Bundeswehr für unsere Sicherheit brauchen, so brauchen wir die Kohle als Energiesicherheit um nicht erpressbar zu sein. In spätestens 40 Jahren werden die Vorräte an Oel und Gas zu Neige gehen und worauf wollen wir dann zurückgreifen, wenn nicht auf unsere Kohle. Am 13. Februar 1995 machten Bergleute aus Kamen und Bergkamen erneut mobil. Norbert Römer, Pressesprecher der IGBE, drohte vor 1000 Bürgern " Wenn sich bis März in Bonn nichts bewegt, werden wir die Republik unruhig machen und alles was im Revier Beine hat, für einen Marsch nach Bonn mobili- sieren."

 

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Mit einem riesigen Fackelzug ging es zur Spitze der Bergehalde, auf der ein großes Mahnfeuer angezündet wurde. Das gleiche geschah in 20 anderen Städten des Reviers. Am 15. Februar 95 ließen sich etwa 1000 Kumpel erst über die Ergebnisse der Kanzlerrunde vom Betriebsrat und Vertreter der IGBE informieren, bevor Sie ihre Arbeit mit viel Verspätung aufnahmen. Ergebnis der Kanzlerrunde, außer Spesen nichts gewesen. Am 13.03.95 trifft unsere Ortsgruppe mit der Nachricht vom Tode des langjährigen 2. Vorsitzenden Erwin Hanel ein herber Verlust. Erwin Hanel war eine der tragenden Säulen der Ortsgruppe. Am 31.03.95 gab es für die Jubilare Wehrmann 65 Jahre Mitglied, sowie Schürmann, Treder, Benning, Gockel, Mork, Stahlhut und Pach, alle 60 Jahre Mitglied, eine Feier. Günter Stahlhut, 1. ehrenamtlicher Bürgermeister, sowie Manfred Wiedemann überreichten den Jubilaren und ihren Frauen, für ihre langjährige Treue zur Gewerkschaft, Präsente und Blumen.
Nach der Einigung der Bundesregierung und den Kohleländern über die Kokskohlenfinanzierung sowie derFinanzierungsregelung für die Verstromung, wird der für den 27. April 95 geplante Marsch nach Bonn nicht durchgeführt.
Zum ersten Mal setzt unsere Ortsgruppe Busse zu einer Maiveranstaltung nach Oberaden ein.

Zu einer machtvollen Demonstration für die Rechte der Arbeitnehmer und den Erhalt des deutschen Steinkohlenbergbaus geriet der mit weiten über 3000 Teilnehmern lange Zug zum Festzelt. Der Bundesvorsitzende der SPD ( Rudolf Scharping ) verwies in seiner Rede auf die Tatsache, daß rund 600 000 Arbeitsplätze von der Kohle abhängig sind. Neben Scharping waren noch NRW Umweltminister Matthiesen, der Bundestagsabgeordnete Dr. Böhme, Landrat Tewes, Kamens Bürgermeister Erdtmann, Bergkamens Bürgermeister Kerak , Ortskartellvorsitzende des DGB Drescher und Bode, sowie zahlreiche Vertetern von Gewerkschaften und Kirchen anwesend.

Am 03. Mai 95 wurden in der Presse Auszüge eines Strategiepapiers des bayrischen Wirtschaftsministers Wiesheu CSU bekannt, worin dieser forderte, Haus Aden/Monopol zu schließen. Empört über diesen Schwachsinn, zeigte sich nicht nur M. Wiedemann, der dem Minister riet, sich erst einmal mit bayrischen Themen zu beschäftigen. Der SPD Unterbezirksvorsitzende Stöckel schlug vor, Bayern so lange als Urlaubsziel zu boykottieren bis die bayrische Landesregierung diese unzumutbare Forderung zurücknimmt.

Der ZAK Vorsitzende, Bürgermeister Kerak , sprach von einem Dolchstoß in den Rücken der Region.

Am 12. Mai konnten Gewerkschaftler der IGBE in der Kamener Stadthalle den Film " Germinal ", nach einem Roman von Emile Zola, sehen. Der Film, über das Leben der Bergleute, ihrer Arbeit unter Tage, spielt im Jahr 1860. Er zeigt auch, das Kinder- und Frauenarbeit unter Tage und oft der Tod auf der Tagesordnung steht.

Mit 150 Personen machte die Ortsgruppe am 14.06. ihren diesjährigen Seniorenausflug. Ziel war das Bergmannserholungsheim Rosenau in Königswinter. Vom Heimleiter über die Geschichte der Rosenau informiert, wollten sich spontan viele Kollegen sofort für einen kostenlosen Aufenthalt vormerken lassen. Nach einem guten Mittagessen ging die Fahrt weiter nach Linz am Rhein. In Bruchertsseifen wartete ein festlich gedeckter Abendtisch auf unsere Senioren.

Auf Haus Aden/Monopol geht der Arbeitsplatzabbau weiter. Bis zum Jahresende wird die Belegschaft wohl auf 3800 Kollegen beschränkt sein.

Bei der Mitgliederversammlung am 30.09.95 gab Willy Hilger, stellv. Bezirksleiter, als wichtigstes Ziel der IGBE den Kampf um den Erhalt des deutschen Steinkohlenbergbaus aus. Berichte über den 16. Gewerkschaftskongress in Saarbrücken gaben Werner Müller, der in den Hauptvorstand, sowie Manfred Wiedemann, der zum stellv.Vorsitzenden der Kontrollkommission gewählt wurde. Wenig Beifall fand der Beschluss des Vorstandes, die Jubilarfeier nicht mehr öffentlich zu machen. Der Grund waren die gestie- genen Kosten ( 15 000 DM ).

 

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60 Jubilare konnten am 07.10.95 für 65,60,50,40 und 25 Jahre Mitgliedschaft in der IGBE, von Bürgermeister M. Erdtmann und Ortsgruppenvorsitzenden M. Wiedemann, geehrt werden.

Einen neuen Rekord gab es mit fast 100 Spielern beim tradionelle Weihnachtsskat unserer Ortsgruppe am 17. Dezember 95. Als Preise gab es neben den Pokalen zwei Rundflüge, zahlreiche Braten und Weihnachtsleckereien zu gewinnen.

Bezirksleiter H. Kulke referierte, auf der Jahreshauptversammlung 1996 der Ortsgruppe, über die Arbeitsplatzsicherung im Steinkohlenbergbau mit allen Mitteln. Die Mitgliederzahlen sanken durch die vielen Umschulungen und Abwanderungen auf 1600, wovon 652 Rentner sind. Über mehr Geld wird in diesem Jahr bei den Tarifverhandlungen wieder nicht gesprochen, erst müssen die Arbeitsplätze gesichert sein.

Jubilare 2018


         50 und 60 Jahre IG BCE

         65 und 70 Jahre IG BCE

25 und 40 Jahre IG BCE




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